Endlich die Hausaufgaben mit LRS und Rechenschwäche richtig angehen

„Jetzt lass uns doch noch schnell die Hausaufgaben machen!“

Fühlst du dich bei diesen Worten auch oft völlig verzweifelt, genervt und erschöpft? Und ist die Hausaufgabensituation für dich als Mutter oder Vater auch so belastend und ihr wisst manchmal einfach nicht mehr weiter? Bist du vielleicht Lehrer und hast Schüler mit einer LRS und Rechenschwäche in deiner Klasse? Dann lies hier auch gerne weiter, denn je mehr du nachvollziehen kannst, wie es den Eltern und Schülern geht, desto besser kannst du unterstützen. Besonders interessant mag für dich der letzte Punkt „Tipps für dich als Lehrkraft“ sein, springe gerne zum unteren Punkt, wenn deine Zeit knapp ist und lies ein anderes Mal den kompletten Blogpost.

Gerade das Lernen auf Distanz hat viele Eltern vor enorme Herausforderungen gestellt, denn neben den Hausaufgaben, ist noch der eigene Job zu managen und der Haushalt zu bewältigen. Wenn dein Kind außerdem Lernschwierigkeiten oder eine LRS oder Rechenschwäche hat, dann ist der Lernaufwand um vieles höher und die Hausaufgaben manchmal regelrecht zum Haare raufen.

Erstmal die gute Nachricht.

Beim Thema Hausaufgaben bist du nicht alleine, hunderten Müttern und Vätern geht es genauso wie dir.

 

Warum ist die Hausaufgabensituation angespannt?

Warum greife ich das Thema überhaupt hier auf? Ich möchte aufzeigen, dass Schüler mit einer LRS oder Rechenschwäche oft an ihre Grenzen kommen, wenn es um die Hausaufgaben und ums Lernen geht. Warum ist das so?

Dein Kind braucht oft mehr Unterstützung. Mehr Unterstützung ist ganz oft mit einem höheren Zeitaufwand verbunden. Zusätzlich mögen die Hausaufgaben für dein Kind oft zu schwer sein, da wichtige Grundlagen aus den vorherigen Klassen fehlen. Meistens hast du als Mutter oder Vater die Verantwortung für dein Kind am Nachmittag und bist eben kein ausgebildeter Pädagoge. Das alles kann einfach zuviel für dich werden. Um zukünftig gelassener an die Hausaufgaben heranzugehen, habe ich dir meine besten 8 Tipps zusammengestellt.

Sei Vorbild für dein Kind

Klingt simpel, ist es aber nicht immer. Nimm dir gerne mal ein Buch und ziehe dich in deine Leseecke zurück. Wenn dich dein Kind immer mal wieder lesen sieht, bekommt es vielleicht auch Lust zu lesen. Oder ihr lest gemeinsam, richtet es euch gemütlich ein und holt euch eine Tasse Tee oder Kakao. Lest abwechselnd, erst dein Kind ein Stück, dann du oder du liest deinem Kind etwas vor (je nach Alter des Kindes). Aber ich erlebe es auch bei meinen beiden ( 8 und 12), dass es sehr schön ist, am Abend etwas vorzulesen. Wir machen das schon sehr lange und es ist unsere ganz persönlich Auszeit.
Liest dein Kind nicht gerne? Oder findest einfach nicht das passende Buch? Geht gerne mal in die Bibliothek und stöbert gemeinsam, lasst euch auch vom Bibliothekspersonal beraten, die haben oft auch ganz tolle Tipps und leiht euch einfach einen Stapel Bücher aus, wenn danach nur ein Buch dabei ist, was deinem Kind gefällt, ist das auch okay.
Zeige deinem Kind die Freude am Lernen. Vielleicht hast du gerade ein neues Hobby, lernst eine neue Sprache, fängst an zu zeichnen.
Wir haben z.B. in unserer Mutter-Kind-Kur fast jeden Tag unser Tagebuch geführt. Der Fokus wurde auf das, was meine Kinder erlebt haben gelegt und manchmal waren es nur 1-2 Sätze, manchmal auch ein längerer Text. Wichtig war es, dass gerne geschrieben wurde, ohne ständig auf die Rechtschreibung zu achten. Das haben wir uns erst am Ende vom Tag angeschaut, damit meine Kinder nicht nach jedem Satz genervt sind und die Lust am Schreiben verlieren.
Wenn du etwas Neues lernst und dabei Freude hast, wirkt sich das auch aufs Lernen deines Kindes aus.

Wo ist mein perfekter Wohlfühl-Hausaufgaben-Platz?

Mein Tipp: Schreibt mal eine Woche auf, wann, wo und mit welchem Zeitaufwand dein Kind die Hausaufgaben gemacht hat.

Sucht für euch den richtigen Raum. Vielleicht hat dein Kind ein super schönes Kinderzimmer mit einem tollen Schreibtisch, aber möchte doch viel lieber die Hausaufgaben im Wohnzimmer machen. Vielleicht möchte dein Kind in deiner Nähe oder bei den Geschwistern sein. Andere Kinder brauchen den Rückzug und die Ruhe. Probiert es einfach mal auf und notiert euch eine Woche lang, wie die Hausaufgabensituation aussieht.
Versucht dann den perfekten Ort zu finden und die richtige Uhrzeit. Denn nicht jedes Kind lernt gerne nach dem Mittagessen, einige lernen am besten am späten Nachmittag. Genau das gilt es herauszufinden, indem ihr eine Woche lang aufschreibt, wie eure Hausaufgabensituation aussieht. Schafft dann Struktur, also macht die Hausaufgaben immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Nach einiger Zeit wird es zur Routine.

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz ist die halbe Miete

Glaub mir, es klingt so simpel und eigentlich ist es das auch. Wenn der Arbeitsplatz aufgeräumt ist, Ruhe ausstrahlt und wenig Ablenkung vorhanden ist, dann lernt es sich viel leichter und entspannter.
Wie oft werden Kinder abgelenkt, weil bestimmte Dinge fehlen, da fehlt der Bleistift, der Radiergummi ist schon wieder weg, das Schreibheft ist voll, man muss immer wieder aufstehen und die Sachen suchen. Das kostet unheimlich viel Zeit. Legt euch alles vorher parat und startet dann gut vorbereitet mit den ersten Aufgaben.
Ganz wichtig, legt bitte das Handy beiseite, ignoriert das Festnetztelefon und nehmt euch ganz bewusst Zeit für die Hausaufgaben. Je älter dein Kind ist, desto selbständiger sollte es sein. Besprecht gemeinsam, was heute ansteht und welche Hausaufgaben zuerst gemacht werden sollten. Viele Kinder brauchen hier noch Unterstützung bei der Struktur.
Falls dein Kind sich schlecht konzentrieren kann, stellt euch eine Sanduhr und versucht in diesem Zeitraum (fangt z.B. mit 10 Minuten an), ganz konzentriert an den Hausaufgaben dran zu bleiben. Ihr werdet überrascht sein, wie viel auch schon in 10 Minuten geschafft werden können.  Steigert dann die Dauer Schritt für Schritt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ganz wichtig. Sage nicht zu deinem Kind: Was haben wir denn heute auf oder wir beide machen jetzt deine Hausaufgaben. Die Hausaufgaben sind die Verantwortung deines Kindes. Du kannst aber dein Kind dabei begleiten. Dein Kind sollte das Gefühl haben, ich bin verantwortlich, es sind meine Hausaufgaben, aber ich bin nicht alleine, ich kann jederzeit meine Eltern fragen.
Je nachdem wie alt dein Kind ist, muss es erst lernen sich gut zu konzentrieren, am Ball zu bleiben, sich zu strukturieren, das ist nichts, was sich von alleine entwickelt. Das braucht ganz einfach ein wenig Zeit.
Stelle deinem Kind Nachschlagewerke (z.B. ein Wörterbuch) zur Verfügung oder schaffe Möglichkeiten, dass es Dinge im Internet suchen und vertiefen kann. Nimm es an die Hand, wenn es Hilfe benötigt, lass aber auch los, wenn es schon ein Stück Selbständigkeit aufgebaut hat.

Dein Kind profitiert am meisten davon, wenn es die Hausaufgaben selbständig löst, wenn das nicht geht, weil dein Kind z.B. eine Rechenschwäche hat und der Zahlenraum 100 noch Schwierigkeiten beim Plus und Minus Rechnen macht, dann wird es mit dem Einmaleins nicht mitkommen und völlig frustriert an den Hausaufgaben sitzen. Suche hier das Gespräch mit der Lehrkraft (lies weiter bei „Hole dir Hilfe“).

Positives Selbstbild fördern

Zeige deinem Kind, dass du zu ihm stehst. Du bist mir wichtig, genau das muss dein Kind spüren auch wenn mal etwas nicht so gut läuft (z.B. schlechte Arbeit geschrieben, viele Fehler in den Hausaufgaben gemacht).
Konzentriert euch auch auf das, was gut läuft und nehmt Fehler als Chance. Fehler sind nichts Schlimmes, denn wir lernen daraus. Dein Kind muss spüren, dass es Fehler machen darf und kann dann ohne Angst an die Hausaufgaben gehen. Wichtig ist hier auch eine enge Absprache mit der Lehrkraft. Was kann das Kind schon und welche Hausaufgaben kann dein Kind selbständig bewältigen (siehe Punkt „Hole dir Hilfe“).

Fange ich mit etwas Leichtem oder Schwerem an?

Das würde ich ganz individuell mit deinem Kind besprechen. Einige Kinder fühlen sich zutiefst erleichtert, wenn die schwere Mathehausaufgabe zuerst erledigt ist. Andere brauchen für die Motivation erstmal etwas Einfaches und das Gefühl, hey, ich habe etwas geschafft, jetzt kann ich gestärkt weitermachen.
Es empfiehlt sich die sprachintensiven Fächer, wie Deutsch und die Fremdsprachen nicht alle nacheinander zu machen, sondern lieber erst Deutsch, dann vielleicht Mathe, dann die nächste Sprache wie Englisch oder Französisch.
Aber schau einfach, was deinem Kind gut geht und woran es Freude hat.

Hilf deinem Kind bei der Planung der Hausaufgaben und bei der richtigen Zeiteinteilung. Übe lieber mit deinem Kind in kürzeren Einheiten und macht diese regelmäßig.

Denk auch mal an dich

An mich denken? Was hat das mit den Hausaufgaben meines Kindes zu tun?
Wenn es dir als Vater oder Mutter gut geht, wirst du deinem Kind gegenüber gelassener sein. Die momentane Pandemie ist für alle belastend, aber wenn wir uns als Eltern auch hin und wieder mal eine Auszeit gönnen, uns zurücklehnen, einen Spaziergang machen und mal nur an uns denken, werden wir unseren Kindern gegenüber entspannter sein. Dann ist der x-te Rechtschreibfehler, die 100. falsch gelöste Matheaufgabe zwar anstrengend, aber bringt dich nicht komplett aus der Fassung.
Schau doch auch gerne mal einen meinen Gastblogartikel von Julia Olfen, hier findest du tolle Tipps und Übungen für einen gelassenen Alltag.

Hole dir Hilfe

Dieser Punkt liegt mir ganz besonders auf dem Herzen. Sprich offen mit dem Lehrer deines Kindes über die Hausaufgabensituation. Eines der häufigsten Themen in meiner Beratung, ist die verflixte Hausaufgabensituation. Dein Kind hat eine LRS oder Rechenschwäche, hat möglicherweise auch eine begleitende Lerntherapie, aber die Hausaufgaben müssen ja auch irgendwie erledigt werden. Da muss z.B. schriftlich dividiert werden und das Einmaleins klappt noch gar nicht.

Viele Eltern berichten mir vom stundenlangen Kampf mit den Hausaufgaben.  In den meisten Fällen zeigen Lehrer Verständnis für eure Situation und legen dann Schwerpunkte für die Hausaufgaben. Einige Lehrer möchten eine Unterschrift der Eltern sehen, dass an den Hausaufgaben eine bestimmte Zeit  gearbeitet wurde, das Kind darf nach dieser Zeit dann aber aufhören.

Nimm ggf. deinen Lerntherapeuten mit zum Gespräch dazu und entwickelt eine Hausaufgabenlösung, die für die Schule und für euch passt. Aber bitte arbeitet nicht täglich bis in die Erschöpfung hinein und klappt am Abend völlig erschöpft das Buch zu. Lehrer sind auch nur Menschen (auch wenn das Eltern manchmal nicht glauben wollen). Die meisten Lehrer  möchten, dass es deinem Kind gut geht und im gemeinsamen Gespräch können tolle, oft sehr individuelle Lösungen gefunden werden.
Sei mutig und sprich den Lehrer an, es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn dein Kind Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben hat, es geht anderen genauso.

Tipps für dich als Lehrkraft

Noch ein paar Tipps für dich als Lehrkraft zum Schluss. Ich hatte dir ja versprochen, dass sich mein Blogbeitrag auch für dich lohnt. Denn auch du kannst etwas dazu beitragen, dass dein Schüler mit Lernschwierigkeiten daheim entspanntere Nachmittage verbringt.

Wann gibst du deinen Schülern die Hausaufgaben auf? Am Anfang der Stunde oder ganz zum Schluss, wenn die Schüler schon auf dem Sprung in die Pause sind? Versuche dich in die Lage von lese-rechtschreibschwachen Schülern zu versetzen und gebe wenn möglich die Hausaufgaben am Anfang der Stunde auf oder lassen deinen Schüler doch einfach die Hausaufgaben von der Tafel abfotografieren (hängt natürlich vom Alter des Schülers ab). Dein Schüler bringt dann auch wirklich die Hausaufgaben nach Hause, die erledigt werden sollen und quält sich nicht mit ewigem Abschreiben der Aufgaben von der Tafel.

Lege Schwerpunkte bei den Hausaufgaben, kürze, wenn möglich, damit dein Schüler daheim das Pensum auch schafft. Dies sollte natürlich immer in enger Absprache mit den Eltern oder falls vorhanden mit dem Lerntherapeuten passieren, der deinen Schüler außerschulisch begleitet.

Gebe Hausaufgaben auf, die zur Festigung dienen und überprüfe die Hausaufgaben. Wo klappt es schon ganz gut, was kann noch verbessert werden? Wie können die Eltern daheim gezielt üben, gebe den Eltern deines Schülers konkrete Übungstipps und eine Anleitung fürs häusliche Üben.

Sprich offen in deiner Klasse über das Thema Legasthenie und Dyskalkulie. Kein Schüler soll deswegen ausgegrenzt werden. Klingt banal? Ist es leider nicht und noch immer werden Schüler aufgrund ihrer Lernschwierigkeiten ausgegrenzt. Je offener wir über die Themen Legasthenie und Dyskalkulie sprechen, desto mehr schaffen wir ein Bewusstsein für die Belange dieser Schüler.

Machst du das alles schon und hast viel Erfahrung mit lese-rechtschreib- oder rechenschwachen Schülern, dann gib dein Wissen an Kollegen weiter. Gemeinsam können wir es schaffen, dass diese Schüler wieder entspannte Nachmittage verbringen.

Welcher von meinen Tipps hat dir am besten gefallen?

Ich freue mich über dein Feedback. Komme auch gerne in meine Facebook Gruppe, wenn du eine ganz bestimmte Frage hast.

Ich freue mich auf dich. Deine Susanne

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