Inklusive Schule – gezielte Unterstützung für Schüler mit einer LRS/Rechenschwäche

Dieser Blogbeitrag soll aufzeigen, wie eine Unterstützung von Schülern mit einer LRS und / oder Rechenschwäche  in der Schule gelingen kann. Welche Voraussetzungen wir benötigen und warum multiprofessionelle Teams z.B. Lerntherapeuten eine Schullandschaft bereichern können.

Stellen Sie sich vor, da ist jemand in der Schule, der die Lehrer schnell, pragmatisch und vor Ort unterstützen kann. Der einen zweiten Blick auf den Schüler wirft und erste Förderhinweise gibt, ohne lange Wartezeiten, ohne ein regelrechtes Verfahren, was sich über Monate hinzieht. Jemand, der Expertenwissen zum Thema LRS/Rechenschwäche mitbringt.

Wenn die Hilfe auf sich warten lässt

Mein Anliegen ist es, dass allen Schülern mit Lernschwierigkeiten geholfen wird, nicht nur denen mit einer diagnostizierten Legasthenie oder Dyskalkulie. Einige Schüler brauchen einfach jemanden, der sich Zeit für seine Rechenwege oder seinen Leseprozess nimmt und im engen Austausch mit dem Lehrer Tipps geben kann. Einer der für den Schüler vor Ort da ist, ohne dass gleich eine Diagnose gestellt werden muss oder die Schublade LRS aufgemacht wird.

Oft dauert es Wochen, manchmal Monate, bis die Unterstützung kommt, denn es fehlt an Wissen vor Ort, um wirklich schnell handeln zu können. Durch den gravierenden Lehrermangel kann oft nur der Regelunterricht abgedeckt werden, Förderstunden fallen aus. In Baden-Württemberg haben auch Beratungslehrer oft lange Wartezeiten. Auch sie können herausfinden, wo Unterstützung nötig ist und Tipps geben, sind danach aber nicht vor Ort, um diese Schüler zu unterstützen.

Eltern müssen sich oft an externe Stellen wenden, haben dort lange Wartezeiten, kämpfen sich durch einen Berg an Unterlagen, um einen Antrag beim Jugendamt zu stellen. Manchmal wird dieser dann abgelehnt. So vergeht wertvolle Zeit, die für eine möglichst frühzeitige Förderung in den ersten beiden Grundschulklassen dringend benötigt wird.

Schüler mit einer LRS und/oder Rechenschwäche brauchen unsere Unterstützung – jetzt!

Wie kann inklusive Schule gelingen?

Ich bin als Lerntherapeutin in der Schule. Aber was heißt das konkret?

Meine Aufgaben ist die individuelle Förderung von Schülern. Mittels Förderdiagnostik finde ich heraus, wo  Lernschwierigkeiten im Lesen, Schreiben oder Rechnen liegen. Auch bin ich bei Elterngesprächen dabei und zeige innerschulische und außerschulische Lösungen auf.

Zusätzlich berate ich Lehrkräfte und finde in Zusammenarbeit die bestmögliche Unterstützung für das betroffene Kind. Ich bin aber auch als Fachlehrer an der Schule und springe ein, wenn es klemmt und übernehme Vertretungsunterricht. Das geht zulasten meiner Förderstunden.

Als Lerntherapeutin an einer Grundschule zu arbeiten, ist für alle Seiten eine große Bereicherung, ich kann schon ab Klasse 1 ganz individuelle Tipps fürs weitere Üben in der Schule als auch daheim geben. Unterstützt werde ich durch ein wunderbares Kollegium, was mich im Team der Lehrer herzlich aufgenommen hat. Doch manchmal wünschte ich, ich müsste nicht einen Umweg über einen Vertrag als Lehrkraft gehen, um in der Schule lerntherapeutisch unterstützen zu können.

Mehr Fortbildungen und Bewusstsein für Lehrer

Um Schülern schon in der Schule die Unterstützung zu geben, die sie benötigen, setze ich mich für mehr Aufklärung ein.

Mein Blog wird häufig gelesen und meine Online Veranstaltungen gerne in Anspruch genommen, um sich Tipps und Anregungen für die Förderung von Schülern zu holen. Als Lerntherapeutin und Mutter einer Tochter mit Rechenschwäche möchte ich Schülern mit Schwierigkeiten im Lese-Rechtschreib- und Rechenerwerb eine Stimme geben.

Um diese Schüler bestmöglich zu fördern, sind gezielte Fortbildungen für Lehrer wichtig, um ein größeres Bewusstsein für  diese Lernschwierigkeiten zu entwickeln. Denn nicht immer sind die Themen LRS und Rechenschwäche in der Lehrerausbildung verankert. Viele Lehrer möchten gerne helfen, wissen aber nicht wie und ganz oft fehlt ihnen schlichtweg die Zeit.

Anerkennung von Lerntherapeuten in der Schule

Wie kann das gelingen? Ich bin in meinem dritten Jahr im System Schule, mit meinem dritten Vertrag und meiner dritten Probezeit. Da ich eben kein Lehrer bin, sondern Lerntherapeutin habe ich den Status „Nicht-Erfüller“. Ich erfülle für das Schulsystem nicht die formalen Voraussetzungen.

Mein Ziel ist es als Lerntherapeutin anerkannt zu werden, um genau dort zu fördern, wo Bedarf besteht. Um Schule und Eltern zu entlasten und Schülern eine individuelle Förderung vor Ort zu bieten. Dabei sollte es eine Förderung sein, die nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängt.

Welches Fachwissen haben Lerntherapeuten? Dazu ein Auszug aus meinem Artikel im Bildungsmagazin „Schule im Blickpunkt“ vom Landeselternbeirat BW.

Forschung zu Gelingensbedingungen von Lerntherapie in Schule an der Universität Hamburg

Dr. Johanna Hilkenmeier von der Universität Hamburg beschäftigt sich in ihrer Forschung mit dem Thema Lerntherapie in Schule. Bei der Online Kreisel Tagung im November wurden existierende Projekte im Bereich Lerntherapie in Schule – u.a. in Berlin, Hamburg oder Hildesheim angesprochen (Details hierzu am Ende meines Blogbeitrags).

Im November 2019 ist das Pilotprojekt „LetS-GO! – Integrative Lerntherapie in der Schule gestartet, geleitet von Prof. Dr. Gabi Ricken und Prof. Dr. Marianne Nolte. Projektkoordinatorin ist Dr. Johanna Hilkenmeier. In fünf Hamburger Grundschulen werden Lerntherapeutinnen zunächst mit fünf Stunden pro Woche Kinder begleiten und unterstützen. Das Projekt wird in den nächsten drei Jahren begleitet und evaluiert. Dabei werden Bedingungen erforscht, die zum Gelingen dieser spezifischen Unterstützung beitragen können.

Schüler mit Lernschwierigkeiten haben unsere Unterstützung verdient: niederschwellig, zeitnah und am besten frühzeitig und in der Schule. Nutzen wir die Chance, multiprofessionelle Teams und Lerntherapeuten in der Schule einzusetzen. Mit einem Austausch  auf Augenhöhe, gegenseitiger Wertschätzung und fairer Bezahlung.

Druckfrisch ist mein Artikel zu „Multiprofessionellen Teams an Schule“ im Bildungsmagazin des Landeselternbeirats erschienen. Mit Klick aufs Bild kann er gerne heruntergeladen werden und auch weitergeteilt werden.

 

 

Komm gerne mit mir ins Gespräch, gemeinsam schaffen wir es, dass Schüler mit Lernschwierigkeiten endlich die Unterstützung bekommen, die sie benötigen.

Komm mit mir ins Gespräch

 

 

 

 


Quellen für weitere Informationen zu Lerntherapie in Schule

  • Dr. Johanna Hilkenmeier, Gelingensbedingungen von Lerntherapie in Schule, Universität Hamburg
  • Auf der Kreisel Website finden sich viele weitere Informationen, Artikel und Kreisel Projekte zu Lerntherapie in Schule

Lerntherapie in Schule Projekte (eine Auswahl)

Hildesheim LeFiS “ (z.B. Balke Melcher, Schuchardt & Mähler, 2016)
Berlin SchuLe “ (z.B. Breuninger & Rottig, 2017)
Berlin Legafinow “ (z.B. Hülsmann, 2014)
Berlin „Jedes Kind kann rechnen lernen!“ (z.B. Huck & Schulz, 2015)
Hamburg „Früh fördern statt spät sitzenbleiben!“ (z.B. Klein, 2011)

 

 

 

 

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