Viele Eltern, Schüler, aber auch Lehrer und Lerntherapeuten haben mich die letzten Tage kontaktiert. Das Telefon stand letzte Woche kaum still.

Die Schulen sind seit knapp einer Woche geschlossen, viele Geschäfte sind zu und auch die Bildungseinrichtungen und Praxen für Lerntherapie stellen ihren Betrieb vor Ort ein. Für einige mag es Sondergenehmigungen geben, für andere war von Anfang an klar, ich schließe meine Praxis und stelle auf Online Training um. Im Sinne der Schüler, im Sinne unserer gemeinsamen Verantwortung.

Aber wie setze ich eine Online Lerntherapie um, wie kommen die Schüler klar, was denken Eltern über ein Online Training?

Normalität und ein Stück Alltag ♥

Erstmal die gute Nachricht. Ja, es ist machbar, eine Online Unterstützung ist möglich. Als Lerntherapeut muss man sich ein wenig in die Technik einarbeiten und die Stunden mit dem Schüler anpassen, so dass auch online eine Lerneffekt erzielt wird und die Stunde Freude macht. Das kostet ein wenig Zeit und für den einen oder anderen auch Überwindung. Aber der Aufwand lohnt sich. Denn davon profitieren Schüler und die Eltern werden entlastet. Ich persönlich arbeite mit Zoom, sehr toll finde ich die Möglichkeit ein gemeinsames Whiteboard zu nutzen und Dateien zu teilen.

Für mich ein wichtiges Argument online weiterzumachen und nicht zu schließen: Ich geben meinen Schüler, die ich größtenteils schon über viele Monate oder auch Jahre betreue, ein Stück Normalität und Alltag zurück. Vieles ist komplett neu und so noch nie dagewesen. Die Schulen sind geschlossen. Die Kinder sehen ihre Freunde nicht mehr regelmäßig. Das Lernen muss selbständig oder mit Unterstützung der Eltern umgesetzt werden. Alles neue Herausforderungen! Und insbesondere für Schüler mit einer LRS, Rechenschwäche oder Lernschwierigkeiten mag der viele Lernstoff der Schule überfordernd sein.

In dieser turbulenten Zeit, bekomme ich sehr positives Feedback von den Eltern, da wir uns mit der Online Unterstützung ein wenig „Alltag“ und „Regelmäßigkeit“ bewahren können. Der wöchentliche Termin ist jetzt nicht mehr persönlich, aber online.

Viele Eltern schätzen auch meine Erreichbarkeit, sie können sich jederzeit bei Fragen am mich wenden, über verschiedene Kanäle, Telefon, email oder Messenger Dienste. Gerne nehme ich bei Bedarf Kontakt zum Lehrer auf. Die Eltern und Schüler wissen, ich bin für sie da und schätzen die Verlässlichkeit.

Hanna, 9 Jahre, im Interview – Online Lerntherapie

Ich betreue seit knapp einem Jahr eine Schülerin mit einer Rechenschwäche aus dem europäischen Ausland. Die Familie kommt aus Deutschland und wohnt seit einigen Jahre fern der Heimat. Es gibt keine deutschsprachige Lerntherapie vor Ort, daher war der Weg zur Online Unterstützung eine willkommene Alternative.

Hanna, 9 Jahre alt, geht in die 3. Klasse einer deutschen Schule und hat sofort begeistert zugestimmt, als ich sie gefragt habe, ob ich ein Interview durchführen darf. Sie möchte anderen Schüler zeigen, ihr schafft das, ihr habt sogar den riesen Vorteil und kennt Frau Seyfried persönlich oder euren Lerntherapeuten. Hanna und ich hingegen, haben die so wichtige Beziehung zwischen Schüler und Lerntherapeut online aufbauen müssen und es hat sehr gut geklappt.

 


♥♥ Traut euch, ist mein Aufruf, eure Schüler brauchen euch jetzt. Gerade jetzt in den diesen Zeiten, ist es schön, ein bekanntes Gesicht regelmäßig wiederzusehen. An die Eltern: gebt dem Online Training eine Chance. Viele sind überrascht, wie gut es klappt, das höre ich auch von Kollegen.♥♥


 

Ich: „Hanna, kannst du dich noch an die erste Stunde bei mir erinnern? Wie ging es dir dabei?“

Hanna muss kurz überlegen, ihre Mama ist beim Online Interview dabei, dann beginnen beide zu erzählen.

Hanna: „Ich war richtig aufgeregt. Ich wusste gar nicht genau, was mich erwartet. Ich wusste nicht, wer Frau Seyfried ist und ob wir Mathe so machen werden, wie in der Schule. Es war für mich das erste Mal, dass ich „Online Unterricht“ hatte.

Die Mutter fügt hinzu: „Hanna skypte regelmäßig mit Oma und Opa, aber das Lernen über das Internet war doch etwas völlig Neues“

Regelmäßigkeit und Rituale helfen

Ich: „Was hilft dir/euch dabei, die  Lerntherapie online erfolgreich durchzuführen?

Hannas Mutter: „Wichtig sind Rituale, wir haben eine extra Kiste, in der sich die Mathe-Materialien befinden (Dienes Material, die Einhorn Brille), das ist unsere Seyfried Kiste. Die steht immer parat.

Hanna:“ Meine Einhorn Brille habe ich immer dabei. Wenn ich sie aufsetze, weiß ich, jetzt geht es los, jetzt treffen wir online Frau Seyfried und üben Mathe. Die Brille kann sogar leuchten. Sie gehört für uns einfach zum Online Training dazu.“

Für mich ist die Brille etwas sehr witziges Hilfsmittel in der Lerntherapie mit Hanna. Sie setzt die Brille auf und weiß, jetzt geht es los. Das Einhorn kann leuchten, das macht es noch interessanter. Denn manchmal geht ihr dann ein Licht auf, wenn sie nicht weiter weiß.

Ich: „Was macht dir am meisten Spaß?“

Hanna: „Ich mag am liebsten, wenn wir spielen und wenn wir uns zum Dienes Material kreative Geschichten ausdenken“

Besonders machen Hanna die Spiele Spaß. Spielen online, wie geht das? Da ist Kreativität verlangt. Wir machen Mathe-Rätsel: „ich habe doppelt so viele Einer wie Zehner und 4 Hunderter“, welche Zahl ist es. Wir legen die Zahlen mit Dienes Material und überlegen uns witzige Rechengeschichten. (Emily isst gerne Gummibärchen, ihre kleine Schwester klaut ihr 15 Stück, jetzt hat sie nur noch 55 in der Tüte).

Da wir farbiges Dienes Material benutzen, nennen wir unsere Zehnerstangen Pommes und die Einerwürfel Ketchup. Eine Aufgabe kann dann lauten, gib mir 5 Pommes und 6 Ketchup Würfel. Danach picknicken wir auf der grünen Wiese (Hunderterplatte vom Dienes Material). Und wenn uns alles zu viel wird, gehen wir eine Runde in den Swimmingpool (Tausenderwürfel). Natürlich nutzen wir auch die richtigen Fachbegriffe, wie Zehner, Einer und Hunderter, aber ein wenig Abwechslung und Spaß lockert das Online Training auf.

Wichtig sind handlungsorientierte, neue Wege, um online die Freude und Motivation aufrecht zu erhalten. Hanna und ich lieben es kreativ zu sein, wir kommen oft gemeinsam auf neue Ideen.

Ich: „Wie schaffst du es, dich solange online zu konzentrieren“?

Hanna: „Wir reden auch manchmal über private Dinge, Frau Seyfried möchte immer wissen, wie es mir geht. Das ist schön, so kann ich auch von meinem Hobby Schwimmen berichten. Manchmal sagen mir auch ihre Töchter hallo, das gefällt mir. 

Die Beziehung zueinander, der direkte Kontakt und der Austausch über die mathematischen Inhalte hinaus, sind so wichtig, um zu spüren, wie es Hanna geht. Manchmal ist sie müde, da ist es wichtig, dass ich darauf eingehe und mehr spielerisch übe und keine neuen Themen angehe, sondern andere vertiefe.

Entlastung für die Eltern

Die Mutter ergänzt noch: Für sie ist die Lerntherapie online eine Entlastung. Sie kann sich auf meine regelmäßige Unterstützung verlassen und in der Zeit, wo Hanna mit mir lernt, spielt und kommuniziert, etwas anderes machen.

Hannas Motto an alle Schüler, die jetzt online lernen:

Ihr schafft das, denn ich schaffe das auch.

Es ist richtig cool! ♦                   

Vielen lieben Dank Hanna an dich und deine Mutter für das wunderbare Interview und deine Zeit. Ich freue mich immer wieder von dir zu hören und zu lesen.

 


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