Eine Rechenschwäche bei Kindern erkennen ist nicht so einfach. Kim, 9 Jahre alt, sitzt am Nachmittag an ihren Hausaufgaben. Sie ist zügig fertig, wäre da nicht das unbeliebte Fach Mathe. Sie ist schon beim Anblick der Aufgaben verzweifelt. Ihre Mutter versucht sie zu motivieren und geht mit ihr Aufgabe für Aufgabe durch. Sie sitzen den ganzen Nachmittag an den Mathehausaufgaben und klappen nach mehreren Stunden erschöpft das Buch zu. Kims Mutter ist sehr bemüht und versucht, geduldig ihrer Tochter zu helfen. Auch die Lehrerin empfiehlt mehr zu üben, damit der Knoten endlich platzt. Kommt Ihnen das auch bekannt vor?

Wenn der Knoten platzt . . . oder nicht!

Wenn Ihr Kind eine Rechenschwäche/Dyskalkulie hat, platzt der Knoten nicht von selbst. Viel üben ist kontraproduktiv. Ihr Kind arbeitet bis zur Erschöpfung, merkt, dass es die Aufgaben nicht versteht, versucht noch mehr zu üben und fühlt sich als Versager. Der Gedanken “Mathe lern ich nie!” setzt sich fest. Ihr Kind kommt da nicht mehr raus und das kann sich auf alle Fächer übertragen!

Eine Rechenschwäche bei Kindern erkennen!

An folgenden Anzeichen können Sie eine Rechenschwäche bei Kindern erkennen:

  • Statt zu rechnen, zählt es. Eine Mengenvorstellung – ob etwas mehr oder weniger ist –  fehlt
  • Es fängt immer von vorne an! Selbst wenn es weiß  3+5 ist 8 rechnet es 13+5 wieder mit den Fingern aus.
  • Minusrechnen geht gar nicht!
  • Das Einmaleins wird auswendig gelernt oder die Reihen werden hochgezählt.
  • Das Kind hat Schwierigkeiten beim Zahlen Lesen und Schreiben und Einer und Zehner werden vertauscht, z.B. 86 und 68.
Das mathematische Haus

Warum Üben nichts bringt? Die Motivation von Kim und ihrer Mutter sind nachvollziehbar, der Druck in der Schule ist groß. Kim möchte auch gute Noten haben. Da ihre Mutter helfen will, üben beide Tag für Tag und der Frust wird immer größer. Das Problem: Kim übt den Schulstoff, dabei fehlen ihr die  Grundlagen. Das ist so, als wenn beim Haus das Fundament fehlt. Es stürzt dann regelrecht ein.

Das Fundament, ein sicheres Zahlen- und Mengenverständnis, ist nicht da! Ohne die Grundlagen kann man aber nichts aufbauen.

Mathematik lernen kann man mit dem Bau eines Hauses vergleichen. Ist eine Rechenschwäche erkannt, kann man mittels Förderdiagnostik die Etage suchen, in der das Kind stehengelassen wurde. Erst  mit einem sicheren Fundament kann das mathematische Haus entstehen und weiter gebaut werden. Dann klappt es irgendwann auch mit dem Schulstoff!

Rechenschwäche bei  Kindern erkennen und richtig üben!

Aber was ist richtiges Üben, wie können Sie Ihrem Kind  helfen? Der erste Schritt: Die Rechenschwäche erkennen!

Die Förderung Ihres Kindes muss dann da ansetzen, wo das Kind steht. Erstmal völlig losgelöst vom Schulstoff. Durch einen ganz persönlichen Förderplan werden mathematische Grundlagen erarbeitet, Ihr Kind wird außerdem emotional gestärkt und bekommt Strategien, um mit seiner Rechenschwäche besser umzugehen. Sie als Eltern sollten bei einer guten Förderung immer miteinbezogen werden und Tipps für die häusliche Förderung kriegen. Auch der Lehrer gehört ins Boot, um dem Kind schulisch den Rücken zu stärken.

Nicht alle Kinder laufen im Gleichschritt

Denken wir nochmal an Kim. Wenn wir die Rechenschwäche erkennen und anfangen, uns an ihrem Wissen zu orientieren, merkt sie schnell, dass es sich lohnt, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Sie hat kleine Erfolgserlebnisse, das motiviert weiterzumachen. Nicht alle Kinder laufen im Gleichschritt, einige Kinder benötigen länger. Und diesen zusätzlichen zeitlichen Rahmen müssen wir diesen Kindern geben und sie in dem stärken, worin sie gut sind.

Je früher die  Rechenschwäche bei Ihrem Kind erkannt wird,  desto eher wird ihm geholfen! Die Situation entspannt sich, die Hausaufgaben sind kein Drama mehr und Ihr habt wieder Zeit für die schönen Dinge, die Mutter und Kind erleben sollen. Vielleicht macht  Mathe irgendwann sogar Spaß!