Reflexion in der Lerntherapie ist genauso wichtig wie die lerntherapeutische Tätigkeit. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wir uns manchmal zu wenig Zeit dafür nehmen.
Lerntherapeuten begleiten Kinder und Familien mit großem Engagement, hoher Verantwortung und in der Regel über einen längeren Zeitraum. Dabei geht es nicht nur um Methoden und Materialien, sondern um Haltung, Beziehung und Verlässlichkeit.
Gleichzeitig ist der lerntherapeutische Alltag heute von vielen äußeren Impulsen geprägt.
Vieles davon kann bereichern und zugleich leise dazu führen, dass wir Entscheidungen treffen, ohne sie bewusst zu hinterfragen.
Warum Reflexion in der Lerntherapie Raum braucht
Reflexion in der Lerntherapie hilft die eigene Haltung zu klären, Entscheidungen bewusst zu treffen und den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren, gerade dann, wenn viele Erwartungen von außen wirken.
Viele Fragen entstehen genau hier:
- Muss ich wirklich alle Bereiche der Lerntherapie (LRS, Rechenschwäche, ADHS…) abdecken, nur weil es scheinbar üblich ist?
- Brauche ich immer das neueste Material oder darf ich mit dem arbeiten, was sich bewährt hat?
- Gestalte ich Preise, Kündigungsfristen und Rahmenbedingungen so, dass sie Familien entgegenkommen und mir selbst Planungssicherheit geben?
- Muss ich auf allen Social Media Plattformen aktiv sein? Verpasse ich sonst ggf. etwas?
- Kommuniziere ich nach außen klar, wofür ich stehe oder relativiere ich mich selbst mit einem „Ich bin nur …“?
Reflexion heißt in diesem Zusammenhang nicht, alles infrage zu stellen. Sie heißt, innezuhalten und bewusst zu prüfen: Was treibt mich an? Was ist mein Warum? Worin liegt meine fachliche Einzigartigkeit?
Und wo möchte ich eigentlich hin?
Manchmal bedeutet das, Neues zu beginnen oder auch bewusst zu reduzieren.
All das wird möglich, wenn wir uns Zeit nehmen, Zeit für eine Reflexion in der Lerntherapie.
12 Impulse für deine lerntherapeutische Arbeit
Die folgenden Fragen laden dich ein, deine Arbeit zu reflektieren, dabei geht es nicht darum alle Fragen zu beantworten, sondern dir Impulse zu geben. Suche dir 2-3 Fragen aus, nimm dir eine Tasse Tee und überlege dir: Was ist mir wichtig in meiner Arbeit?
1. Wie erlebe ich meine lerntherapeutische Arbeit im Moment?
- Wenn du an die letzten Wochen denkst: Was überwiegt: Freude, Anspannung, Erschöpfung oder Klarheit?
- Woran merkst du das konkret im Alltag?
2. Was hat mir in diesem Jahr Kraft und Freude gegeben und wo war meine Arbeit wirksam?
- Welche Momente haben dich innerlich gestärkt und gezeigt, dass deine Arbeit Wirkung hatte – auch in kleinen, stillen Schritten
3. Welche Situationen haben mich besonders belastet oder viel Energie gekostet?
- Was hat hier am meisten gezogen: Zeitdruck, Kommunikation, zu viele Themen?
- Was würdest du künftig anders gestalten?
4. Wofür stehe ich fachlich – und wofür eigentlich nicht (mehr)?
- Was ist deine Kernkompetenz, bei der du wirklich in die Tiefe gehst? Einzelförderung, Gruppenförderung, Lerntherapie in Schule, Elterncoaching, Beratungen, Seminare?
- Welche Angebote hältst du eher aus Pflichtgefühl oder Angst, jemanden abzuweisen?
5. Was möchte ich loslassen?
- Welche Angebote, Themen oder Zusatzleistungen kosten viel Energie bei wenig Wirksamkeit?
- Was wäre ein professionelles, freundliches „Nein“?
6. Was wollte ich schon länger ausprobieren oder umsetzen – und habe es auf später verschoben?
- Was hat dich bisher gebremst?
- Und was wäre ein kleiner, realistischer erster Schritt, ohne Perfektionsanspruch?
7. Wie klar ist mein Fokus im Alltag – und wodurch verliere ich ihn?
- Wann verzettelst du dich am ehesten?
- Was hilft dir bei Entscheidungen: Das passt zu mir – das passt nicht zu mir?
8. Wo habe ich mir Unterstützung geholt – und wo hätte ich sie gebraucht?
- Wann hat Austausch, Supervision oder kollegiale Beratung entlastet?
- Welche Fragen oder Fälle sollten künftig nicht mehr allein bei dir liegen?
9. Wie bin ich mit Fortbildungen umgegangen?
- Was habe ich von dem Gelernten wirklich integriert?
- Was blieb eher „Konsum“ und was würde mehr Nachbereitung brauchen?
- Was kann ich vielleicht zeitnah nachbereiten und in meine Arbeit integrieren?
10. Wie gehe ich mit Material und neuen Impulsen um
- Was nutze ich regelmäßig und gern?
- Was liegt ungenutzt im Schrank?
- Was wäre jetzt hilfreicher: Neues anschaffen oder Bestehendes vertiefen?
11. Gibt es etwas, was ich in 2026 anders machen möchte
Mein Tipp: Fange klein an, nimm dir etwas vor, was du heute noch umsetzen kannst
- Warteliste: Will ich sie und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Ich persönlich habe schon lange keine Warteliste mehr. So habe ich es gelöst —>Kontakt
- Preise: Wann habe ich sie zuletzt angepasst und wie stimmig fühlen sie sich an?
- Angebote: Gibt es etwas, was ich schon immer anbieten wollte oder etwas streichen wollte?
- Ausblick: Wo sehe ich mich in fünf Jahren und welcher kleine Schritt passt schon jetzt dazu?
Ein kleines Ritual für 2026: das Glücksglas
Zum Abschluss noch ein Impuls für 2026. Kennst du schon das Glücksglas? Vielleicht nutzt du es schon für deine Schüler. Aber vielleicht möchtest du auch deine kleinen Konfetti-Momente aus dem lerntherapeutischen Alltag festhalten?
Das können ganz unscheinbare Dinge sein:
- ein Satz eines Kindes
- ein kleiner Fortschritt
- ein Moment von Klarheit
- ein gutes Gespräch
- ein Augenblick, in dem du gespürt hast: Das macht Sinn.
Gerade in herausfordernden Phasen kann es gut tun, diese Zettel wieder hervorzuholen und sich daran zu erinnern, warum man diese Arbeit macht. Ich werde mein eigenes Glücksglas für 2026 mit Konfetti füllen und vielleicht magst du dich anschließen.
Reflexion muss nicht alleine stattfinden
Reflexion in der Lerntherapie muss nicht allein stattfinden.
Im Austausch mit anderen, in Fallbesprechungen, in Supervision oder Intervision entstehen oft genau die Impulse, die im Alltag fehlen.
Wenn du dir wünschst, dich regelmäßig mit anderen Lerntherapeut:innen auszutauschen, Gedanken zu teilen und gemeinsam weiterzudenken, findest du dafür im Lerntherapeuten-Netzwerk einen geschützten Raum und Begleitung auf Augenhöhe.
Ob du dir einzelne Fragen mitnimmst, dein Glücksglas füllst oder den Austausch suchst:
Schon kleine Momente der Reflexion können helfen, deine lerntherapeutische Arbeit klarer, bewusster und mit mehr Leichtigkeit zu gestalten, für dich und für die Familien, die du begleitest. Hier geht’s zu deinem kostenlosen Kennenlern-Call (Link führt zu Calendly).
Weiterführende Impulse & Ressourcen
Wenn du einzelne Themen aus den Reflexionsfragen vertiefen möchtest, habe ich hier ein paar Lesetipps für dich.
- Selbstsupervision in der Lerntherapie → für strukturierte Reflexion im Alltag
- Fokus halten als Lerntherapeut → wenn du merkst, dass dich Vielfalt eher erschöpft als stärkt
- Ich mach „nur“ LRS-Therapie, diesen Satz streichen wir → so kommunizierst du dein Angebot

Vielen Dank für diese tollen Reflexionsfragen! Das Konfetti-Glas für meinen eigenen lerntherapeutischen Alltag habe ich mir für 2026 fest vorgenommen – das Glas und die bunten Zettel stehen schon bereit 😉