ADHS Diagnose, was tun? Dein Kind hat eine ADHS Diagnose bekommen und du fragst dich, was sind jetzt die nächsten Schritte?

Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn die Diagnose vom Arzt da ist. Auch einige meiner Lerntherapiekinder kommen neben der LRS und Rechenschwäche mit der Diagnose ADHS zu mir. Vielleicht ist da Erleichterung, denn endlich weiß man, warum der Alltag so anstrengend war. Vielleicht kommen aber auch Unsicherheit, viele Fragen oder sogar Widerstand auf. All das ist normal.

Wichtig ist jetzt: Du musst nicht alles auf einmal lösen. Nach einer ADHS-Diagnose helfen vor allem ein paar klare erste Schritte: verlässliche Informationen, Austausch mit anderen Eltern, Unterstützung in der Schule (z.B. durch einen Nachteilsausgleich), ein gutes Elterntraining und bei Bedarf eine gezielte Förderung wie z.B. Lerntherapie oder ein Verhaltenstraining. In diesem Artikel erfährst du

  • an wen du dich wenden kannst (Selbsthilfegruppen, online Infoveranstaltungen)
  • warum ein Elterntraining so wertvoll ist
  • wo du weiterführende Informationen zum Nachteilsausgleich findest
  • welche Bücher oder Videos hilfreich sind

1. Verlässliche Informationen und Austausch finden

Nach der ADHS-Diagnose beginnt für viele Eltern eine intensive Recherchephase. Das Internet ist voll mit Meinungen, Erfahrungsberichten und widersprüchlichen Ratschlägen. Deshalb ist es wichtig, sich nicht in jeder Diskussion zu verlieren, sondern wenige, aber verlässliche Anlaufstellen zu nutzen. Gleichzeitig hilft vielen Eltern der Austausch mit anderen. Nicht, weil dort alle dieselben Antworten haben, sondern weil man mit Menschen spricht, die wirklich verstehen, wie herausfordernd der Alltag mit einem Kind mit ADHS sein kann.

Eine gute erste Anlaufstelle ist ADHS Deutschland e. V.. Der Selbsthilfeverband bietet Informationen, regionale Ansprechpartner, Online-Angebote und regelmäßige Infoveranstaltungen an. Die Infoveranstaltungen finden etwa alle sechs Wochen statt und können Eltern helfen, einen ersten Überblick zu bekommen: Was bedeutet die Diagnose konkret? Welche Unterstützung gibt es? Welche Fragen sollte ich beim nächsten Arzttermin stellen?

Auch Selbsthilfegruppen können sehr entlastend sein, online oder vor Ort. Dort geht es nicht darum, sofort Lösungen für alles zu finden. Oft hilft es schon zu merken: Wir sind damit nicht allein.

Hilfreiche Anlaufstellen:

Dein nächster Schritt:
Suche dir zum Beispiel eine Online-Infoveranstaltung oder eine Selbsthilfegruppe in deiner Nähe.

2. Was Kinder mit ADHS im Alltag brauchen: Struktur, Unterstützung und Begleitung

Eine ADHS-Diagnose erklärt vieles, aber sie beantwortet noch nicht automatisch die Frage, was ein Kind im Alltag wirklich braucht. Kinder mit ADHS profitieren besonders von klaren Strukturen, verlässlichen Abläufen, verständnisvoller Begleitung und einer guten Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule, Ärztinnen, Therapeuten und weiteren Fachpersonen.

Zu diesem Thema habe ich mit Kirsten Riedelbauch, Landesgruppenleiterin von ADHS Deutschland Baden-Württemberg, gesprochen. In dem Artikel geht es unter anderem darum, warum Struktur so wichtig ist, welche Rolle Medikamente spielen können, wie Elterntrainings Familien entlasten und warum Komorbiditäten wie LRS oder Dyskalkulie im Blick bleiben sollten.

Mehr dazu findest du im Blogbeitrag auf unserer Lerntherapeuten-Netzwerk-Seite: Was Kinder mit ADHS wirklich brauchen

ADHS Diagnose was tun? Im Gespräch mit Kirsten Riedelbauch, Landesgruppenvorsitzende ADHS Deutschland
Im Interview mit Kirsten Riedelbauch

3. Elterntraining anfragen: Unterstützung für den Familienalltag

Elterntrainings klingen für manche erst einmal nach noch einem zusätzlichen Termin. Ein gutes Elterntraining hilft dir dabei, das Verhalten deines Kindes besser zu verstehen, Konflikte früher zu erkennen und im Alltag klarer zu reagieren. Viele Eltern erleben dadurch mehr Sicherheit und bekommen Strategien an die Hand. Die Elterntrainings gibt es auch als Online-Format.

Elterntrainings können zum Beispiel helfen bei:

  • Klaren Regeln und Abläufen
  • Umgang mit Wut und Impulsivität
  • Hausaufgabensituationen
  • Beim Aufbau von Routinen

Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten der Elterntrainings ganz oder teilweise. Am besten fragst du direkt bei deiner Krankenkasse nach oder bittest den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin um eine Empfehlung. Der Anbieter von Eltern-Trainings kann dir auch dabei helfen.

Dein nächster Schritt:
Frage bei deiner Krankenkasse nach, ob ein ADHS-Elterntraining übernommen wird. Bitte außerdem die behandelnde Fachperson um eine konkrete Empfehlung.

4. Mit der Schule in den Austausch gehen und Nachteilsausgleich prüfen

Nach der Diagnose ist die Schule ein wichtiger Ansprechpartner. Nicht, weil dort sofort alles anders werden muss, sondern weil dein Kind im Schulalltag möglicherweise Unterstützung braucht. Viele Kinder mit ADHS haben Schwierigkeiten mit Konzentration, Impulsivität, Arbeitsorganisation, Zeitdruck oder langen schriftlichen Aufgaben. Ein Gespräch mit der Lehrkraft kann helfen, gemeinsam zu schauen: Was belastet dein Kind besonders? Was funktioniert schon? Und welche kleinen Veränderungen könnten den Schulalltag erleichtern?

Mögliche Unterstützungen in der Schule können sein:

  • ein ruhigerer Sitzplatz
  • klare und kurze Arbeitsaufträge
  • Bewegungspausen
  • mehr Zeit bei Klassenarbeiten
  • strukturierte Arbeitsblätter
  • mündliche statt schriftliche Aufgaben

Ein Nachteilsausgleich ist dabei immer individuell zu gestalten, so dass er für den jeweiligen Schüler eine Entlastung dargestellt und wirksam ist. Außerdem ist er keine Bevorzugung, wie manchmal angenommen wird. Er soll Nachteile ausgleichen, die durch die ADHS entstehen. Der Antrag läuft über die Schule, meist mit ärztlichem Attest oder fachlicher Stellungnahme. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Wichtig ist: Sprich das Thema frühzeitig an. Weitere Informationen zum Nachteilsausgleich bei einer ADHS findest du auf der Seite von ADHS Deutschland.

Dein nächster Schritt:
Vereinbare ein Gespräch mit der Schule, der Lehrkraft und frage, wie an eurer Schule ein Nachteilsausgleich beantragt werden kann.

5. Medikamente in Ruhe mit Fachpersonen besprechen

Kaum eine Frage beschäftigt Eltern nach der Diagnose so sehr wie diese: Medikamente – ja oder nein? Die kurze Antwort lautet: Es gibt keine pauschale Antwort. Und diese Frage muss nicht sofort beantwortet werden.

Medikamente können bei ADHS hilfreich sein, besonders wenn der Leidensdruck hoch ist und dein Kind im Alltag, in der Schule oder in sozialen Situationen stark beeinträchtigt ist. Sie sind aber immer Teil eines Gesamtkonzepts und sollten fachärztlich begleitet werden. Wichtig ist: Medikamente sind kein Zeichen elterlichen Scheiterns. Gleichzeitig ersetzen sie nicht Struktur, Beziehung, Förderung und gute Begleitung.

In unserem Artikel mit Kirsten Riedelbauch gehen wir ausführlicher darauf ein, welche Rolle Medikamente spielen können und warum eine gute Einstellung so wichtig ist:

Was Kinder mit ADHS wirklich brauchen: Struktur, Unterstützung und Begleitung
https://lerntherapeuten-netzwerk.de/kinder-mit-adhs-unterstuetzen/

Dein nächster Schritt:
Notiere deine Fragen und besprich sie mit der behandelnden Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Fachärztin. Eine zweite Meinung ist erlaubt, wenn du unsicher bist.

6. Lernprobleme ernst nehmen: LRS, Dyskalkulie und Lerntherapie im Blick behalten

Ein Punkt, der nach der ADHS-Diagnose oft übersehen wird: ADHS tritt häufig nicht allein auf. Wenn dein Kind große Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat, liegt das nicht automatisch „nur“ an der Konzentration. Es kann zusätzlich eine Lese-Rechtschreib-Störung, eine Rechenstörung oder eine andere Lernschwierigkeit vorliegen.

In der S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird beschrieben, dass umschriebene Lernstörungen bei Kindern mit ADHS zu 10 bis 25 Prozent komorbid auftreten. Dazu zählen unter anderem Lese-Rechtschreib-Störungen und Rechenstörungen. In solchen Fällen kann eine integrative Lerntherapie gezielt unterstützen. Sie ersetzt keine ADHS-Behandlung, kann aber eine wichtige Ergänzung sein, wenn Lernprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und negative Lernerfahrungen zusammenkommen.

ADHS Diagnose was tun? Komorbiditäten treten relativ häufig bei einer ADHS auf.
Komorbiditäten bei einer ADHS

Dein nächster Schritt:
Wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen trotz Üben dauerhaft schwerfallen, lasse testen, ob zusätzlich eine LRS oder Dyskalkulie vorliegt.

ADHS Diagnose – was tun? Den nächsten kleinen Schritt!

Wenn dein Kind die ADHS-Diagnose bekommen hat, musst du nicht sofort alles entscheiden. Wichtig sind die ersten machbaren Schritte: gute Informationen finden, Unterstützung suchen, Schule einbeziehen und prüfen, welche Hilfe dein Kind im Alltag und beim Lernen wirklich braucht. Und denke daran: Die ersten Schritte sind oft leichter, als sie im Moment vielleicht wirken.

Empfehlenswerte Bücher und Videos (wird regelmäßig ergänzt)

Hier geht’s zu meinem

Newsletter

Alles rund um das Lernen mit LRS und Rechenschwäche, Nachteilsausgleich und Lerntherapie in Schule

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert