Ein Schulwechsel kann für jedes Kind eine aufregende, aber auch herausfordernde Zeit sein. Doch welche weiterführende Schule ist die richtige, besonders, wenn dein Kind eine LRS (Legasthenie) oder eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) hat?

Dann kommen oft zusätzliche Fragen dazu: Bietet die Schule Unterstützung? Gibt es Förderung? Hat die Schule Erfahrung mit LRS oder Rechenschwäche – und wie wird ein Nachteilsausgleich wirklich umgesetzt? Genau diese Punkte entscheiden später häufig darüber, ob sich dein Kind sicher fühlt und gut lernen kann.

Auch ich stand vor einigen Jahren vor dieser Entscheidung und habe mir verschiedenen Schulen in der näheren Umgebung angeschaut. Ich habe alles erlebt, von total offen und unterstützend bis hin zu klar ablehnend.

In diesem Artikel findest du konkrete Tipps, wie du im Gespräch mit der Schule herausfinden kannst, ob sie wirklich zu deinem Kind passt.

Sollte ich LRS oder Rechenschwäche bei der Schulwahl offen ansprechen?

Viele Eltern sind unsicher, ob sie die LRS oder Rechenschwäche ihres Kindes im Gespräch mit der weiterführenden Schule direkt ansprechen sollten. Die Sorge ist verständlich: Wird mein Kind dadurch vorschnell eingeordnet oder unterschätzt?

Diese Frage wurde mir auch bei einem Vortrag in der Stadtbibliothek gestellt. Ich habe alle Fragen der Eltern auf Karteikarten gesammelt. Zwei davon drehten sich genau um die weiterführende Schule und den Umgang mit LRS oder Rechenschwäche:

Weiterführende Schule bei einer LRS und Rechenschwäche: Fragen von Eltern beim Vortrag in der Stadtbibliothek
Fragen von Eltern zur Schulwahl bei LRS und Rechenschwäche

Viele Eltern beschäftigt besonders:

  • Soll ich die LRS direkt kommunizieren?
  • Welche Unterstützung gibt es vor Ort?

Diese Unsicherheit begegnet mir immer wieder, im persönlichen Gespräch genauso wie in der Beratung.

Grundsätzlich gilt: Wenn ein Nachteilsausgleich beantragt werden soll oder dein Kind auf gezielte Unterstützung angewiesen ist, ist Offenheit wichtig. Nur wenn die Schule informiert ist, kann sie erklären, welche Fördermöglichkeiten es gibt und wie der Übergang gestaltet wird.

Gleichzeitig sagt die Reaktion der Schule oft sehr viel aus. Wird dein Anliegen ernst genommen? Werden konkrete Lösungen angeboten? Oder entstehen sofort Zweifel an der gewählten Schulform? Manchmal zeigt sich gerade in diesem ersten Gespräch, ob eine weiterführende Schule Lernschwierigkeiten als Belastung oder als gemeinsame Aufgabe versteht.

Wenn du merkst, dass dein Kind ausschließlich über seine Schwäche definiert wird oder dir indirekt von einer Anmeldung abgeraten wird, darfst du das als wichtiges Signal sehen. Eine passende Schule erkennt das Kind als Ganzes, mit seinen Stärken, Interessen und Potenzialen, nicht nur durch die LRS & Rechenschwäche-Brille.

Am Ende ist Transparenz kein Risiko, sondern eine Möglichkeit herauszufinden, ob diese Schule wirklich zu deinem Kind passt.

Weiterführende Schule bei LRS und Rechenschwäche: So bereitest du dich optimal vor

Informiere dich im Vorfeld auf der Website der Schule. Viele Schulen geben dort bereits Hinweise, ob sie Erfahrung mit LRS oder Rechenschwäche haben oder welche Förderangebote es gibt.

Schreibe der Schule eine E-Mail und frage aktiv nach. So bekommst du ein erstes Gefühl dafür, wie offen die Schule mit dem Thema umgeht. In vielen Fällen melden sich Schulen telefonisch zurück, auch das sagt kann dir einen ersten Eindruck über die Schule verschaffen.

Nutze unbedingt den Tag der offenen Tür. Kündige deinen Besuch gerne vorab an. So kannst du gezielt ein Gespräch mit den Lehrkräften oder der Schulleitung führen und konkrete Fragen zur Förderung bei LRS oder Dyskalkulie stellen.

Welche Erfahrung hat die weiterführende Schule mit LRS und Rechenschwäche

Erfrage im Gespräch ganz konkret, welche Erfahrungen die weiterführende Schule mit Schülern mit LRS oder Rechenschwäche hat. Diese Antwort gibt dir oft einen ersten Eindruck davon, wie sicher und kompetent das Kollegium im Umgang mit Lernschwierigkeiten ist.

Nicht jede Schule verfügt über fundiertes Hintergrundwissen zu LRS oder Dyskalkulie. Manche reagieren offen und lösungsorientiert, andere eher zurückhaltend oder sogar ablehnend.

Es gibt tatsächlich Schulen, die im Gespräch klar sagen, dass sie keine Erfahrung mit einer LRS und/oder Rechenschwäche haben. Teilweise wird Eltern dann nahegelegt, ihr Kind dort nicht anzumelden oder eine Schulform zu wählen, die unter den eigentlichen Begabungen des Kindes liegt.

Umso wichtiger ist es, genau hinzuhören:

  • Werden konkrete Beispiele genannt?
  • Gibt es feste Ansprechpersonen?
  • Wird von „Problemen“ gesprochen oder von „Unterstützungsmöglichkeiten“?

Viele Schulen haben gute Erfahrungen gesammelt. Genau diese positiven Beispiele gilt es im Gespräch herauszufinden.

Welche Fördermaßnahmen gibt es?

Informiere dich im Gespräch ganz konkret über die Fördermaßnahmen bei LRS oder Rechenschwäche in der weiterführenden Schule.

Nicht jede Schule bietet strukturierte Unterstützung an und wenn doch, unterscheiden sich Umfang und Qualität teilweise deutlich. Frage deshalb gezielt nach:

  • Gibt es feste Förderkurse für LRS oder Dyskalkulie?
  • Finden diese regelmäßig und auch noch nach Klasse 5 statt?
  • Wie groß sind die Gruppen?
  • Mit welchen Materialien wird gearbeitet?
  • Werden die Kurse von qualifizierten Förderlehrkräften oder Fachlehrern geleitet?
  • Gibt es an der Schule einen Lerntherapeuten oder eine feste Kooperation mit externen Lerntherapeuten?

Auch wenn Lerntherapeuten an weiterführenden Schulen noch nicht selbstverständlich sind, gibt es vereinzelt Modelle, in denen sie fest im Schulalltag eingebunden sind oder eng mit dem Kollegium zusammenarbeiten. Das kann für Kinder mit LRS oder Rechenschwäche ein großer Vorteil sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Lernstandserhebung in Klasse 5. In einigen Bundesländern – zum Beispiel in Baden-Württemberg – ist der Lernstand 5 (Schwerpunkt Lesen und Mathematik) verpflichtend. Ergänzend führen manche Schulen freiwillige Rechtschreibtests durch, teilweise mit standardisierten Verfahren wie der Hamburger Schreibprobe (HSP). Andere Schulen nutzen eigene Testformate, die Praxis ist hier sehr unterschiedlich.

Diese schulischen Screenings sind grundsätzlich sinnvoll, da sie Förderbedarfe früh sichtbar machen sollen. Wichtig ist außerdem zu klären, wie die Schüler dann gefördert werden, ob nur in Klasse 5 oder ob es sich um ein langfristig angelegtes Förderkonzept handelt.

Die Antworten helfen dir einzuschätzen, ob Lernschwierigkeiten systematisch begleitet werden oder ob Unterstützung eher punktuell organisiert wird.

weiterführende Schule mit LRS
Lernstand eines Schülers mit quop in Klasse 2

Wie wird der Nachteilsausgleich in der weiterführenden Schule umgesetzt?

Ein besonders wichtiger Punkt bei der Wahl der weiterführenden Schule ist der Umgang mit dem Nachteilsausgleich.

Grundsätzlich haben Kinder mit einer LRS oder Dyskalkulie Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Wie dieser jedoch konkret umgesetzt wird, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland und leider teilweise auch von Schule zu Schule.

Frage im Gespräch deshalb ganz konkret:

  • Welche Form von Nachteilsausgleich wird gewährt?
  • Gilt er in allen Klassenstufen?
  • Muss der Antrag aktiv von den Eltern gestellt werden?
  • Wie wird der Nachteilsausgleich dokumentiert?

Möglichkeiten eines Nachteilsausgleichs können sein:

  • Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten
  • Angepasste Bewertung der Rechtschreibleistung
  • Nutzung technischer Hilfsmittel
  • Individuelle Aufgabenformate

Wichtig ist nicht nur, dass ein Nachteilsausgleich gewährt wird, sondern wie selbstverständlich und unterstützend die weiterführende Schule damit umgeht. Wird er als Chance gesehen, faire Bedingungen zu schaffen? Oder als Ausnahme, die möglichst klein gehalten werden soll?

Ein offenes, transparentes Verfahren gibt dir Sicherheit und zeigt, ob die Schule Erfahrung im Umgang mit LRS oder Rechenschwäche hat. Mehr Informationen zum Nachteilsausgleich in Baden-Württemberg findest du hier und zu anderen Bundesländern auf unserer Lerntherapeuten-Netzwerk-Seite.

So findest du die passende weiterführende Schule: Anregungen für Fragen

  • Haben Sie Erfahrung mit Schülern mit einer LRS/Rechenschwäche
  • Gibt es eine LRS/Rechenschwäche-Förderung an der Schule
  • Falls ja, wie groß sind die Gruppen, mit welchen Fördermaterialien wird dort gearbeitet
  • Gibt es eine Lernstandserhebung in Klasse 5 (auch in den folgenden Schuljahren)
  • welche Form von Nachteilsausgleich wird gewährt, wie ist der genaue Ablauf

Zum Schluss lasse ich noch eine Mutter sprechen, die ihr Erfahrungen hier zusammengefasst hat. Es ist erstmal zeitaufwändig die richtige weiterführende Schule zu suchen, aber diese Zeit zu investieren lohnt sich.

Hier berichtet noch eine Mutter:

„Ich habe mit allen Schulen per E-Mail Kontakt aufgenommen und dann Gesprächstermine vereinbart. Es war ein mühsamer Prozess, aber im persönlichen Gespräch merkt man schnell, welche Schule Erfahrung mit LRS oder Dyskalkulie hat – und welche nicht. Besonders wichtig war mir, wie die LRS-Kurse zusammengesetzt sind und wer sie leitet. Meine Erfahrung: Dyskalkulie spielt an vielen Schulen leider kaum eine Rolle.“

Die Wahl der weiterführenden Schule bei LRS oder Rechenschwäche kann sich schwer anfühlen, aber sie ist auch eine Chance. Eine Chance, eine Schule zu finden, die dein Kind als Ganzes sieht. Mit Stärken, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten. Stelle klare Fragen, höre genau hin und vertraue darauf, dass es Schulen gibt, die mittragen und nicht aussortieren.

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