Zuletzt aktualisiert am 30.10.2026
Werte klingen oft nach etwas, das einmal aufgeschrieben wird und dann in der Schublade landet. Für mich sind sie das, was mich jeden Tag begleitet, in meiner Lerntherapie-Praxis, an den Schulen und im Lerntherapeuten-Netzwerk. Deshalb möchte ich dir hier zeigen, was mich ausmacht und wofür ich stehe.
Das Bild von Pippi Langstrumpf, wie sie ihr Pferd hebt, symbolisiert für mich die Kraft, neue Wege zu gehen und Herausforderungen anzugehen, die man sich vielleicht vorher nicht vorstellen konnte. Pippi steht für Stärke, Unabhängigkeit und Mut, unkonventionelle Lösungen zu finden. In diesem Beitrag erfährst du mehr über meine drei wichtigsten Werte in der Lerntherapie und wie sie meine Arbeit prägen.
Transparenz: Offen sprechen in beide Richtungen
Transparenz ist für mich ein wesentlicher Wert in der Lerntherapie, da sie Vertrauen schafft und die Zusammenarbeit auf ein stabiles Fundament stellt. Ich lege großen Wert darauf, offen und ehrlich zu kommunizieren, auch dann, wenn es bedeutet, schwierige Themen anzusprechen.
Transparenz zeigt sich hier in der Klarheit über die Grenzen und Möglichkeiten der Lerntherapie. Wenn ich erkenne, dass ein Schüler momentan von einer anderen Unterstützung mehr profitieren würde, sei es aufgrund emotionaler Herausforderungen oder anderer Bedürfnisse, beende ich die Lerntherapie, um Raum für eine Hilfe zu schaffen, die im Moment besser passt.
Diese Offenheit gilt auch für den Therapieprozess selbst: Ich teile regelmäßig mit, wo wir im Verlauf stehen, welche Fortschritte es gibt und welche nächsten Lernschritte gerade anstehen. Die klare Kommunikation sorgt dafür, dass alle, Schüler, Eltern und Schule, den Weg kennen und wissen, was nötig ist, um das Kind bestmöglich zu unterstützen. Auch wenn ich sehe, dass Eltern oder Lehrkräfte die Rolle der Lerntherapie vielleicht falsch verstehen oder unterschätzen, nehme ich mir die Zeit, aufzuklären und Missverständnisse zu klären.
Transparenz wünsche ich mir in beide Richtungen. Wenn etwas nicht passt, wenn sich die Lebenssituation verändert oder wenn ihr die Lerntherapie beenden möchtet, dann sprecht mich bitte an, bevor die Entscheidung gefallen ist. Genauso ehrlich gehe ich auch selbst mit einem Ende um. Ein Kind, das ich über Monate oder sogar Jahre begleitet habe, soll sich verabschieden dürfen und sehen, was es alles geschafft hat. Deshalb planen wir zum Schluss immer gemeinsam eine Abschlussstunde.
Zu Transparenz gehört für mich auch, dass Familien wissen, woran sie sind. Genau das war bei der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt oft nicht der Fall: wechselnde Ansprechpersonen, kurzfristig auslaufende Bewilligungen und Familien, die wochenlang nicht wussten, wie es weitergeht. Deshalb biete ich seit 2025 keine Förderung mehr an, die über das Jugendamt finanziert wird. Seitdem vereinbare ich Umfang und Dauer der Lerntherapie direkt mit den Eltern, und meine Zeit fließt wieder in die Kinder statt in Formulare. Warum ich diesen Schritt gegangen bin, habe ich im Interview mit dem IFLW ausführlich erzählt.
Ganzheitlich: Lerntherapie ist wie ein Stuhl mit vier Beinen
Für mich ist Lerntherapie wie ein Stuhl mit vier Beinen: das Kind, die Eltern, die Schule und die Lerntherapie. Fehlt ein Bein, wackelt alles, egal wie gut die anderen drei sind. Hinter Schwierigkeiten wie Matheangst oder Leseproblemen steckt selten „nur“ eine falsche Rechen- oder Lesestrategie. Auch Emotionen und die Lernmotivation spielen eine große Rolle. Deshalb ist mir der Austausch untereinander so wichtig.
Eltern und Lehrkräfte als zentrale Partner
Im Lernprozess spielen Eltern und Lehrkräfte eine zentrale Rolle. Die aktive Mitarbeit der Eltern, wie das Aufgreifen der Übungen, die ich für daheim mitgebe, ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Auch die Unterstützung der Lehrkräfte ist unverzichtbar, besonders wenn es darum geht, Lernschwierigkeiten ernst zu nehmen und Ängste des Kindes zu berücksichtigen. Wenn das Problem in der Schule lediglich als „kleine Mathe-Schwierigkeit“ abgetan wird, ohne die emotionalen Belastungen des Kindes zu erkennen, wird es schwierig, eine nachhaltige Unterstützung zu leisten. Die Haltung „Das bisschen Mathe kann ja nicht so schwer sein“ reicht nicht aus, wenn wir dem Schüler wirklich helfen wollen. Deshalb setze ich mich aktiv dafür ein, Vorurteile abzubauen und alle Beteiligten zu sensibilisieren, um das Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes zu stärken.
Zum Schluss einer Zusammenarbeit schreibe ich Lehrkräften immer eine kurze Nachricht, um Danke zu sagen. Das kostet zwar ein wenig Zeit, die ich mir aber gerne nehme, weil nur durch eine enge Zusammenarbeit mit Lehrkräften die Förderung eines Schülers erfolgreich sein kann. Außerdem wird so Lerntherapie weitergetragen, denn wer gute Erfahrungen mit Lerntherapie gemacht hat, trägt diesen Gedanken an die nächste Schule weiter.
Zusammenarbeit im Netzwerk
Im Jahr 2022 habe ich das Lerntherapeuten-Netzwerk gegründet, um gemeinsam mehr zu bewegen und die einzelnen Lerntherapeuten zu stärken. Unser Ziel ist es, etwas Großartiges zu erschaffen, das den Schülern zugutekommt.
Wir haben schon mehrere Aktionen durchgeführt,
- die Tipps zur positiven Fehlerkultur,
- kostenfreie Tipps für Lehrkräfte zum Thema LRS zusammengestellt,
- Anregungen für mehr Bewegung beim Lernen kreiert
- und vieles mehr
Das bedeutet für alle: mehr Unterstützung für Schüler, umfassendere Aufklärung zu LRS und Rechenschwäche sowie zufriedene Schüler und Familien. Ich bin stolz auf unsere Gemeinschaft, die durch verschiedene Aktionen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit einen echten Unterschied macht.

In der Frauenbewegung gilt die erhobene Faust als Symbol für Widerstand, Solidarität und Stärke. Auch in der Lerntherapie ist es wichtig, diesen Mut und diese Solidarität zu leben. Denn viele Frauen, die in der Lerntherapie arbeiten, leisten täglich wertvolle Arbeit, die jedoch oft nicht die verdiente Wertschätzung und Vergütung erhält. Viele Lerntherapeuten sind auf befristete Projekte angewiesen und arbeiten häufig in Teilzeit oder zu Honorarsätzen, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen.
In unserem Netzwerk möchte ich daher gezielt darauf hinwirken, dass Lerntherapeuten ihre wertvolle Arbeit nicht unter Wert verkaufen. Sie sollen in der Lage sein, von ihrer Arbeit zu leben und langfristig finanzielle Sicherheit aufzubauen.
Wie viel das bewirken kann, hat mir eine Kollegin beim Netzwerktreffen in Stuttgart im September 2026 erzählt. Wir hatten das Thema Monatspauschale im Netzwerk immer wieder angesprochen. Sie hat eine Weile gebraucht, bis sie es umgesetzt hat, aber dann war ihr Start ins Schuljahr 2026/2027 so entspannt wie noch nie. Sie musste sich nicht mehr alleine um Termine kümmern, sondern die Eltern kamen von sich aus auf sie zu und haben aktiv nach Terminen für das neue Schuljahr gefragt. So hat sie deutlich gespürt, dass der Wert ihrer Lerntherapie ganz anders wahrgenommen wurde. Genau dafür ist unser Netzwerk da.
Zudem setze ich mich dafür ein, dass Lerntherapeuten sichtbarer werden und ihre Leistung stärker anerkannt wird. Durch Aktionen, Blogbeiträge und Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern streben wir eine bessere Vernetzung und eine größere Bekanntheit unserer Arbeit an.
Langfristigkeit: Mehr als die nächste 2 in Mathe
Ich betrachte Dinge langfristig. In der Lerntherapie geht es mir nicht um die nächste 2 in der Mathearbeit, sondern darum, dass ein Kind versteht, wie es lernt, und das auch dann noch anwenden kann, wenn ich nicht mehr dabei bin. Dafür braucht es Zeit, Beziehung und einen Blick, der über das nächste Zeugnis hinausreicht.
Langfristig denken heißt für mich auch, nicht nur einzelne Kinder zu fördern, sondern daran mitzuarbeiten, dass sich etwas im System verändert. Meine Vision: Bis 2043 arbeitet an jeder Schule ein Lerntherapeut. Dafür arbeite ich selbst an Schulen, habe mit dem Buchprojekt „Luis kann (noch) nicht lesen“ in zwei dritten Klassen gezeigt, wie viel Psychoedukation bewirken kann, und spreche mit Politik und Gewerkschaften darüber, wie multiprofessionelle Teams an Schulen gelingen können. Denn je früher Kinder Unterstützung bekommen, desto seltener verfestigen sich ihre Schwierigkeiten.
Mir ist es wichtig, dass die Tür offen bleibt, wenn die Lerntherapie endet. Im Oktober 2026 habe ich einen Zoom-Call für Eltern angeboten, deren Kinder gerade in Klasse 5 gestartet sind. Sechs Familien waren dabei, auch Eltern, deren Kinder schon im Frühjahr ihre letzte Lerntherapiestunde bei mir hatten. Wir haben über das Ankommen an der neuen Schule gesprochen und über den Nachteilsausgleich. Es war ein so wertvoller Austausch für die Eltern und alle konnten einige Impulse mitnehmen.
So arbeiten wir zusammen
Was du von mir erwarten kannst: transparente Rückmeldungen, ein offenes Ohr für deine Fragen und konkrete Ideen zur Förderung, die im Alltag umsetzbar sind.
Was ich mir von dir wünsche: Dass du mich ansprichst, wenn etwas nicht passt, bevor eine Entscheidung gefallen ist. Denn gemeinsam finden wir (fast) immer einen Weg.

Liebe Susanne.
ich finde es so toll, dass du deine Werte offen kommunizierst. Da finde ich mich wirklich wieder. Deine Werte sind meine Werte. Ich bin dankbar, dass du das Lerntherapeutennetzwerk ins Leben gerufen hast. Gemeinsam können wir mehr erreichen und viel mehr Schülerinnen und Schülern helfen. Jeden Tag und bei jedem Online-Meeting spüre ich dein Herz und deine positive Energie. Vielen Dank dafür 🙂 Und an alle LerntherapeutInnen da draußen: Kommt in Susannes Netzwerk! Lasst uns zusammenarbeiten, uns gegenseitig stärken und Erfahrungen austauschen.
vielen lieben Dank, liebe Barbara, ich bin total gerührt. Vielen Dank für die lieben Worte!
Endlich habe ich deinen Jahresrückblick gelesen, du hattest einen netten Kommentar bei meinem hinterlassen!
Die Fokussierung auf die Werte finde ich sehr schön. Das ist letztendlich das, was uns täglich 24/7 begleitet und so oft wegen Alltagskram unter den Tisch fällt. Ich arbeite im Moment auch daran, mir meine Werte wieder bewusst zu machen und sie als Basis meiner Buchdesign-Arbeit zu sehen. Nicht immer einfach …
Alles Gute für dich und weiter so!
LG Beate