Dyskalkulie Förderung in der Schule – was wirklich hilft

Eine Dyskalkulie Förderung in der Schule? Geht das überhaupt? Müssen die Kinder sich da nicht externe Unterstützung suchen?

Stell dir vor, wie es wäre  präventiv zu arbeiten und Kinder ab der ersten Klasse in der Schule lerntherapeutisch zu begleiten? Aber wie geht das überhaupt, welche Programme eignen sich? Welche Hürden gibt es zu überwinden und wie können wir es schaffen, auch in der Schule individuell hinzuschauen und gezielt zu fördern?

Das Förderprogramm Mengen, zählen, Zahlen (MZZ) ist schwerpunktmäßig für den Kindergarten gedacht. Aber mit ein paar Anpassungen lässt sich das Programm perfekt in die schulische Förderung integrieren. Wie auch du das Programm in der Schule einsetzen kannst und worauf du achten musst (und welche Fehler du vermeiden kannst), erfährst du hier.

Wer das Programm noch nicht kennt, dem habe ich hier ein paar Fakten zusammengefasst:

Mengen, zählen, Zahlen

Altersempfehlung: 4-8 Jahre
Gruppengröße: 4-6 Jahre
Materialien: Zahlentreppe, Zahlenkarten, Zahlenhaus, rote und blaue Holzchips

Mengen, Zählen, Zahlen beruht auf der Theorie von Resnick (1989) und dem weiterentwickelten Modell von Krajewski (2007). Es beschreibt die mathematische Kompetenzentwicklung bis zur Grundschulzeit.

Die Vorbereitung der Lehrkraft

Die perfekte Voraussetzung für unsere gemeinsame Förderung der Schüler war ein fest verankertes wöchentliches Förderband im Stundenplan (sowohl für Mathe, als auch Deutsch). Das bedeutet kein Schüler verpasste während der Förderung einen Teil des Regelunterrichts.

Welche Schüler in die Kleingruppenförderung kommen, legt die jeweilige Klassenlehrkraft fest. In jeder Klasse gibt es Schüler, die einfach mehr Übung brauchen, anderen wiederum fehlen ganz basale Grundlagen wie das Zahlenverständnis und Zählkompetenzen. Letztere Gruppe wurde dann von mir gefördert. Dabei kommen die Schüler aus verschiedenen ersten Klassen. Durch das feste Förderband wird auch kein Kind „stigmatisiert“, weil es jetzt gerade zur Förderung muss. In dieser Stunde findet grundsätzlich Förderung für alle statt, nur in verschiedenen Gruppen und Räumen.

Vor der Förderung bekomme ich zu jedem Schüler ein mündliches Feedback mit den Schwierigkeiten, die der Lehrkraft aufgefallen sind, wie z.B. Probleme beim Zählen oder Schwierigkeiten beim Benennen vom Vorgänger oder Nachfolger einer Zahl. Ich weiß daher schon vor der Förderung, auf was ich achten sollte.  Natürlich ist es anfangs dann meine Aufgabe herauszufinden, wo die Schwierigkeiten beim Matheverständnis liegen. Da das MZZ aber ganz basal aufgebaut ist, können alle Schüler von den Inhalten profitieren.

Lerntherapeut und Lehrkraft als Team in der Schule

Möchtest du wissen, welche positiven Aspekte Lerntherapie in Schule hat?  Dann empfehle ich dir meinen Blogbeitrag „Integrative Lerntherapie in der Schule – so geht’s.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Förderung?

Wir haben den Erstklässlern die ersten Wochen Zeit gegeben in der Schule anzukommen, die Abläufe und die Klasse kennenzulernen. Da sich jedes Kind unterschiedlich schnell entwickelt, geben wir diesen Kindern auch die Zeit, die sie brauchen. Allerdings merkt man in Klasse 1 sehr schnell, wenn beim Kind wichtige Grundlagen des Mengenverständnisses fehlen, Fingerbilder nicht erkannt werden oder das Zählen noch sehr mühsam ist.

Daher war für uns der ideale Zeitpunkt der Förderung nach 3 Monaten Schule.

Die richtige Lernumgebung 

Die Förderung findet nicht in einem typischen Klassenzimmer statt, sondern in unserem Mathe-Förderraum. Schon beim Hereinkommen in den Raum waren einige Kinder ganz erstaunt. Wo sind wir denn hier? Ist das wirklich ein Klassenzimmer? Warum sehen die Tische so ganz anders aus?

Für die schulische Förderung ist es ideal,  dass der Raum eben nicht klassisch nach Schule aussieht, sondern sehr einladend gestaltet ist. Es gibt einen großen runden Tisch und damit gute Möglichkeiten des Austauschs. Alle wichtigen Materialien für die Förderung sind in diesem Raum vorhanden (apropos Material, das MZZ wurden auf meine Anregung hin für die Schule gekauft).

Ich habe den großen Karton mit dem Material ausgepackt und alle Schüler waren begeistert. „Endlich spielen wir ein Spiel“ waren die Worte von einigen Kindern. Zuerst haben uns das Material in Ruhe angeschaut, bevor die eigentliche Förderung begann. Da die Schüler bei mir aus unterschiedlichen ersten Klassen kommen, ist es wichtig, dass die Kinder sich erst einmal kennenlernen und in der Gruppe gut ankommen.

Die Kinder brauchen ein sicheres Fundament, um das (Mathe)Haus weiter bauen zu können

Das Programm hat das Ziel mathematische Grundlagen spielerisch und handelnd begreifbar zu machen. Die Kinder können die Holzchips, Karten und die Elemente der Zahlentreppe anschauen und in die Hand nehmen. Sie werden zum Ausprobieren und darüber Sprechen eingeladen und damit aktiv eingebunden. Am Ende der Stunde reflektieren die Kinder, was sie gelernt haben.

Die Kinder müssen verstehen, dass hinter den Zahlen Mengen stehen – Kristin Krajewski

Ein wichtiger Bestandteil vom Programm ist die Zahlentreppe. Neben den Ziffern, sind Fingerbilder aufgedruckt als auch die Menge als einzelne Punkte und Würfelbilder. Die Schüler lieben die Zahlentreppe. Hier gibt es viel zu entdecken. Ein Schüler wollte sogar die Treppe gerne nach Haus nehmen, weil er total begeistert war.

In der Förderung mit den Kindern spielt das laute Verbalisieren der gelernten Inhalte eine große Rolle. Die Kinder ordnen z.B. Dinge der Ziffer 1 zu, weil es davon genau eins gibt. Dinge, die es zweimal gibt, gehören zur Ziffer 2, denn „1 ist weniger als 2“. Das Gelernte bleibt länger im Gedächtnis, wenn man aktiv darüber spricht und für mich ist das Sprechen über die Mathematik eine gute Möglichkeit um zu schauen, was die Kinder aus der Stunde gelernt haben.

Kompetenzstufen, die spielerisch aufeinander aufbauen

Folgende 3 Kompetenzstufen gibt es im Förderprogramm MZZ

  • numerische Basisfertigkeiten
  • Anzahlkonzept
  • Teil-Ganzes-Beziehungen

Vermutlich klingt das jetzt erstmal sehr abstrakt. Deswegen gehe ich hier gerne nochmal auf die einzelnen Kompetenzstufen ein.

Numerische Basisfertigkeiten

Das Hauptziel in diesem Schwerpunkt liegt darin, die Zahlwortfolge und Ziffernkenntnis im Zahlenraum bis 10 zu üben und zu festigen. Pro Stunde werde dabei immer 2 Zahlen besprochen (z.B. die 1 und die 2, danach die 3 und die 4).

Anzahlkonzept

Die Zahlworte werden dann in Kompetenzstufe 2 mit Mengen verknüpft und Zahlen auf dieser Basis miteinander verglichen.

Teil-Ganzes-Beziehungen

Die Kinder lernen, dass zwischen den Zahlen Beziehungen zueinander bestehen. Zahlen werden immer wieder bewusst in Relation gesetzt. 5 ist eins mehr als 4. Ich kann dies visuell darstellen, sowohl mit den Ziffern 4 und 1  als auch als Menge darstellen. Zahlen sind nichts Abstraktes, Zahlen bestehen aus Mengen und das soll den Schülern in unterschiedlichen Darstellungsformen mit viel Freude und spielerisch näher gebracht werden.                                                                                                                            

Darauf kommt es an – meine 4 wichtigsten Tipps

Möchtest du auch Schüler in Klasse 1 mit dem MZZ fördern, dann achte auf diese 4 Dinge, die für den Fördererfolg eine große Rolle spielen.

Nimm dir Zeit

Nimm dir die Zeit, die du für die Förderung brauchst. Überspringe nicht einfach bestimmte Punkte, denn alles baut aufeinander auf. Gruppenförderung ist nie ganz einfach, denn die Kinder können sich unterschiedlich schnell entwickeln. Auch wenn anfangs sehr genau geschaut wurde, welche Kinder in welcher Gruppe zusammenpassen, kann es nach 5-6 Förderstunden schon ganz anders aussehen und ein Kind mag mehr an Wissen erworben haben als ein anderes. Nimm dir auch immer Zeit für den engen Austausch mit der Lehrkraft, um euch gut abzustimmen.

Starte gut vorbereitet

Klingt simpel, ist es eigentlich auch. Das Programm lebt von einer sehr genauen und bewussten mathematischen Sprache. Sprich immer über „mehr oder weniger“, über „1 mehr“ und vergleiche die Zahlen miteinander. Halte dich an die Anweisungen. Das ist anfangs vielleicht etwas ungewohnt, aber mit der Weile wirst du Routine haben.

Spielerisch üben

Das Spiel ist der Hauptberuf eines jeden Kindes

Nutze die Chance, die das MZZ bietet – mit dem ansprechenden Material, mit Alltagsmaterial, was du jederzeit einbinden kannst.

Reflektiere am Ende der Stunde

Das MZZ sieht hier extra Fragen der Reflektion am Ende der Stunde vor. Überspringe das nicht einfach, sondern nutze die Möglichkeit zu erfragen, was die Kinder heute gelernt haben. Diese Erkenntnisse sind so wertvoll und sie helfen dir die nächste Stunde zu planen.

Frühe Förderung für mehr Matheliebe

Der enge Austausch zwischen Lehrkraft und Lerntherapeut und die frühe Förderung sind absolut gewinnbringend für alle Beteiligten. Bei Bedarf können auch Elterngespräche gemeinsam geführt werden. Die Schüler waren extrem motiviert und hatten viel Freude beim Entdecken.

Einige Schüler sind anfangs in die Förderung gekommen und haben mir gleich gesagt „Mathe kann ich nicht“. Als ich meinte, dass sei nicht schlimm, kam ein vorsichtiges Lächeln. Mathe kann Spaß machen und dafür ist MZZ in Klasse 1 einfach das ideale Förderprogramm in Kombination mit kleinen Gruppen und einer angenehmen Atmosphäre.

Es muss nicht der Weg über eine ärztliche Diagnostik gegangen werden, denn nicht immer muss es gleich eine Rechenschwäche oder Dyskalkulie sein. Einige Schüler brauchen einfach mehr Unterstützung und mehr Zeit. Jedes Kind kann sich somit individuell in seinem Tempo weiter entwickeln und bekommt das Extra an Unterstützung durch die gemeinsame Begleitung von Lerntherapeut und Lehrkraft in der Schule.

Jetzt bist du dran

Du bist jetzt perfekt vorbereitet, um MZZ selbst in deiner schulischen Förderung einzusetzen. Brauchst du noch mehr Informationen, wie du deine Schüler individuell fördern kannst, dann kommentiere doch gerne unter diesem Blogpost oder komme gerne in meine Facebook Gruppe.

Deine Susanne

Komm in meine Gruppe