Mit dem Lesestift das große Lesepensum in der Schule bewältigen – ein Erfahrungsbericht

Für LRS Schüler ist es in der Schule oft nicht leicht. Das Pensum an Texten scheint oft unüberwindbar. Texte in den Büchern, Texte an der Tafel, überall muss man Berge an Material lesen – mit einer LRS in der Schule ist das wirklich mühsam. Ich habe eine Schülerin und ihre Mutter aus Niedersachsen interviewt. Lilli ist 11 Jahre alt und geht in die 6. Klasse eines Gymnasiums und verwendet im Unterricht einen Lesestift, den sogenannten C-PC-Pen Exam Reader™.

Vielen Eltern und Schülern mit einer LRS ist der Lesestift noch völlig unbekannt. Einige haben „Lesestift“ vielleicht im Internet gegoogelt, wissen aber nicht, ob sich die Anschaffung lohnt. Denn die Vielfalt ist riesig und neben dem C-Pen sind viele andere Lesestifte auf dem Markt zu finden. Warum hat sich Lilli für den C-Pen entschieden und wie geht es ihr in der Schule damit? Welche Hürden gab es zu meistern?

Susanne Seyfried: Welche Unterstützung bekommt Lilli aufgrund der LRS in der Schule?

Lilli bekommt einen Nachteilsausgleich, mehr Zeit während der Arbeiten und keine Benotung der Rechtschreibung in der Fremdsprache (Englisch, Französisch).

Was ist überhaupt ein Nachteilsausgleich? Wer bekommt ihn und wo muss ich ihn beantragen? Antwort auf deine Fragen gibt es hier.

Susanne Seyfried: Wie hilft euch der Lesestift konkret weiter? In welchen Fächern?

Lilli benutzt ihn immer dann, wenn längere Texte gelesen werden müssen. Er hilft ihr insbesondere bei Textaufgaben und dabei die Texte besser zu verstehen, er unterstütz aber auch in den Fremdsprachen. Der Stift erspart uns die Förderkraft! sagt die Mutter. Denn eigentlich wollten die Eltern eine Schulbegleitung für Lilli, um jemanden zu haben, der ihr beim Lesen der Texte hilft, aber auch beim Abschreiben der Texte unterstützt.
Jetzt hat das Jugendamt zwar keine Lernbegleitung bewilligt, aber den C-Pen finanziert. Für Lilli ist das eine große Erleichterung.

Susanne Seyfried: Wie funktioniert der Lesestift?

Nachdem man die Sprache eingestellt hat, fährt man langsam mit dem C-Pen Zeile für Zeile des zu lesenden Textes ab. Danach kann man sich die gescannten Zeilen vorlesen lassen, am besten mit Kopfhörern. Man braucht anfangs ein wenig Übung, danach geht es ganz leicht. Die Geschwindigkeit beim Vorlesen und die Pausen zwischen den Wörtern  können ebenfalls eingestellt werden.

Neben Deutsch können auch Texte in anderen Sprachen, wie Englisch, Spanisch oder Französisch vorgelesen werden. Für die Schule eine große Erleichterung.

Susanne Seyfried: Wie seid ihr bei der Auswahl vorgegangen? Nach welchen Kriterien habt ihr den Stift ausgesucht?

Er darf nur vorlesen und NICHT übersetzen, sonst wäre er in der Schule nicht erlaubt! Dafür hat unser Stift extra Werbung für gemacht, das er auch im Examen genutzt werden darf.

Susanne Seyfried: Kam der Vorschlag von der Schule oder war es eure Eigeninitiative einen Lesestift im Unterricht zu verwenden?

Von der Schule kam es leider nicht! Es war unsere Eigeninitiative. Wir haben den Stift sogar über das Jugendamt als Ersatz für eine Förderkraft bekommen!

Susanne Seyfried: Gibt es noch andere Schüler in der Klasse/Schule, die diesen Stift nutzen?

Bei uns nicht.

Susanne Seyfried: Was wünscht ihr euch von der Schule? Was würde deinem Kind helfen, um besser mit der LRS umzugehen?

Mehr Akzeptanz! Leider ist es so, dass einige Lehrer keine Lust auf die Mehrarbeit haben (größere Schrift, Kopien von den Tafelbildern usw.).

Was empfiehlst du anderen Betroffenen, gibt es etwas womit du ihnen Mut machen kannst?

Niemals aufgeben! Es ist ihr Kind, dem sie helfen! Meine große Tochter hat es bis zum Realschulabschluss geschafft!

Susanne Seyfried: Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview. 

 

Lass uns reden, wenn du noch Fragen hast

Brauchst du noch Unterstützung oder hast Fragen zum Nachteilsausgleich, dann nimm gerne Kontakt zu mir auf.

 

Dafür setze ich mich ein

Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass wir nicht aufhören dürfen mehr zum Thema LRS, aber auch Rechenschwäche (Dyskalkulie) aufzuklären. Nur mit einem Bewusstsein für die Belange dieser Schüler kann diesen Schülern individuell geholfen werden. Sie brauchen eine Lobby und Lehrer, die offen sind, neue Wege zu gehen.

3 Comments

  • Der Lesestift funktioniert für kürzere Texte erstaunlich gut, solange eine vernünftige Schriftart benutzt wird und die Zeilenabstände nicht zu eng sind. Es wird dann schwierig wenn Wörter am Ende der Zeilenabstände getrennt werden, da der Stift sofort „losliest“ sobald man ihn anhebt. Für schriftliche Arbeitsanweisungen im Untericht ist er aber für Schüler und Lehrer hilfreich (da dieser ja sonst genötigt wäre jede schriftliche Anweisung vorzulesen).

    • Vielen lieben Dank für diese Rückmeldung. Ich denke, man muss sich ein wenig in die Handhabung des Stiftes einarbeiten. Wenn das gut funktioniert, kann er -wie Sie schreiben- eine hilfreiche Unterstützung sein. Herzlichen Dank fürs Teilen Ihrer Erfahrungen. Lieben Gruß Susanne Seyfried

  • Hallo
    Wir überlegen auch diesen Stift für unseren Sohn zu holen.
    LRS und Homescooling ist nicht ganz einfach. Oft sind viel Text zu lesen und dann auch noch die Aufgaben lösen.
    Ich fand die Erfahrungen recht interessant. Unser Sohn besucht eine Lerntherapie u d hat jetzt einen Schulwechsel vor sich.
    Ich denke das der Stift wenn er so funktioniert wie beschrieben eine große Hilfe für ihn ist in den höheren Klassen.

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