Viele Eltern fragen sich: Braucht mein Kind wirklich einen Lesetest oder hat es vielleicht eine Leseschwäche? Ich höre doch, wie mein Kind liest.

Beim gemeinsamen Lesen zu Hause bekommst du als Vater oder Mutter tatsächlich einen guten Eindruck davon, wie dein Kind liest. Trotzdem zeigt sich dabei oft nur ein Teil der ganzen Lesekompetenz. Denn Leseflüssigkeit ist nicht gleich Leseverständnis.
Und nicht jedes Kind zeigt seine Schwierigkeiten sofort. Manche Kinder kompensieren Unsicherheiten geschickt.

Eine gezielte Lesediagnostik hilft deshalb, genauer hinzuschauen:

  • Wie sicher liest ein Kind wirklich?
  • Wie flüssig gelingt das Lesen?
  • Versteht es den Inhalt eines Textes?
  • Und an welcher Stelle braucht es Unterstützung?

In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich die Lesekompetenz eines Kindes in meiner Praxis einschätze und warum eine differenzierte Lesediagnostik so wichtig ist, um anschließend gezielt fördern zu können.

Was ist ein Lesetest?
Ein Lesetest überprüft, wie sicher, flüssig und verständlich ein Kind liest. Dabei werden Fähigkeiten wie Lesegenauigkeit, Lesegeschwindigkeit und Leseverständnis untersucht.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Probleme beim Lesen hat?

Nicht jedes Kind mit Leseschwierigkeiten fällt sofort auf. Manche Kinder lesen langsam oder stockend, andere lassen Endungen weg oder erraten Wörter. Auch wenn ein Kind zwar flüssig liest, aber den Inhalt eines Textes kaum versteht, kann das ein Hinweis auf Schwierigkeiten beim Lesen sein. Ein gezielter Lesetest hilft dabei, diese Auffälligkeiten genauer einzuordnen.

Lesetest für Kinder: Wo steht mein Kind beim Lesen?

Viele Eltern möchten wissen, ob sich ihr Kind beim Lesen altersentsprechend entwickelt, wie flüssig und genau es liest und wie sie zu Hause sinnvoll unterstützen können. Diagnostik und Förderung gehören dabei untrennbar zusammen: Nur wer den Lernstand kennt, kann gezielt fördern. Genau hier setzt eine Lesediagnostik an.

Sie hilft dabei, genauer hinzuschauen:

  • Liest mein Kind sicher oder eher stockend?
  • Kennt es alle Buchstaben?
  • Kann es Buchstaben zu Silben zusammenschleifen?
  • Lässt es beim Lesen Endungen weg oder rät Wörter?
  • Versteht es, was es liest oder stößt es hier an Grenzen?

Eine fundierte Diagnostik schafft Klarheit und bildet die Grundlage dafür, gezielt und sinnvoll zu unterstützen. In meiner Praxis erlebe ich häufig, wie entlastend eine klare Rückmeldung für Eltern sein kann. Gemeinsam schauen wir dann, wo dein Kind beim Lesenlernen steht und wie seine Lesekompetenz Schritt für Schritt verbessert werden kann.

Das Fundament des Lesens: Buchstaben und Laute erkennen

Bevor ich mit standardisierten Lesetests arbeite, schaue ich mir zunächst das Fundament des Lesens an. Dafür nutze ich ein informelles Testblatt zur Graphem-Phonem-Zuordnung (Buchstabe – Laut). Dabei prüfe ich zum Beispiel:

  • erkennt dein Kind alle Buchstaben sicher?
  • klappt die Zuordnung von Buchstaben und Lauten?
  • funktionieren auch Lautverbindungen wie sch, ch, ei oder au?

Diese Grundlage ist wichtig, denn flüssiges Lesen kann nur entstehen, wenn Buchstaben-Laut-Verbindungen automatisiert sind.

Lesetest: Was wird getestet und warum?

Ein Lesetest dient dazu, den aktuellen Stand eines Kindes beim Lesen genauer zu ermitteln. In der Lesediagnostik arbeite ich dabei mit einer Kombination aus Beobachtungen, informellen Verfahren und standardisierten Tests.

Lesen ist ein komplexer Prozess, bei dem mehrere Teilfertigkeiten zusammenspielen. Man kann sich das ein wenig wie den Bau eines Hauses vorstellen: Erst, wenn das Fundament stabil ist, können nach und nach weitere Kompetenzen aufgebaut werden.

Haus des Lesens von Frau Dr. Küspert
Haus des Lesens, Dr. Petra Küspert

Ein wichtiger Punkt bei jeder Testung ist außerdem die Zielsetzung der Diagnostik.
Geht es um eine erste Einschätzung der Leseleistung, um die Auswahl passender Fördermaßnahmen oder um eine medizinische Diagnostik einer Lese-Rechtschreib-Störung? Letzteres dürfen nur entsprechend qualifizierte Fachstellen durchführen.

In meiner Praxis steht vor allem die Frage im Mittelpunkt:
Wo kann ich die Förderung gezielt ansetzen, damit dein Kind sicherer lesen lernt?

Dazu schaue ich mir verschiedene Teilfertigkeiten genauer an:

  • Buchstaben-Laut-Verbindungen: Erkennt das Kind Buchstaben und Lautverbindungen sicher?
  • Lautsynthese: Kann es Buchstaben flüssig zu Silben und Wörtern verbinden?
  • Leseflüssigkeit und Lesegenauigkeit: Wie sicher und wie schnell liest das Kind?
  • Leseverständnis: Versteht es den Inhalt eines Textes?

Ein standardisierter Lesetest hilft dabei, objektive Ergebnisse zu erhalten, unabhängig von der subjektiven Einschätzung durch Eltern oder Lehrkräfte.

ELFE II Lesetest
Lesetest ELFE II, den ich in der Computerversion durchführe

Diese Testverfahren setze ich ein

Für die Lesediagnostik nutze ich neben der Lese-Beobachtung und einem kurzen selbst entwickelten Fragebogen zur Lesemotivation den Lesetest ELFE II in Kombination mit dem Lesetest SLRT II. Der Vorteil liegt darin, dass sich beide Testverfahren sinnvoll ergänzen und die Leseleistung eines Schülers dadurch umfassend überprüft werden kann.

Der SLRT II liefert sehr gute Informationen zur Fähigkeit des lauten Lesens, während die ELFE II die Lesegeschwindigkeit, die Lesegenauigkeit und die Leseflüssigkeit beim leisen Lesen erfasst. Da die Testung (ELFE II) bei mir am PC stattfindet, ist sie für viele Schüler besonders motivierend. Sie erinnert wenig an Tests, wie man sie aus der Schule kennt. Am Computer zu arbeiten, finden einige richtig „klasse“.

Die ELFE II ist ein Leseverständnistest, der ab Ende der 1. Klasse (letzte drei Monate) bis Anfang der 7. Klasse eingesetzt werden kann. Einen Einblick in die Computertestung bekommst du in diesem kurzen Video auf der Seite von Psychometrica (ab Minute 5:40).

Bei Bedarf setze ich ergänzend den LGVT 2–4 oder, für ältere Schüler, den LGVT 5–12+ ein. Beide Testverfahren überprüfen die Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis von Schülern.

Alle genannten Tests werden auch in der S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung“ (derzeit in Überarbeitung) empfohlen.

Lesetest ELFE II am Computer
Lesediagnostik mit der ELFE II am Computer

So läuft die Lesediagnostik bei mir ab

In meiner Praxis läuft die Diagnostik in entspannter Atmosphäre ab, ohne Noten, ohne Druck. Viele sagen nach dem Termin: „Das hat sogar Spaß gemacht“. Genau so soll es sein.

Das ist der Ablauf der Lesediagnostik:

  1. Beratungsgespräch mit dir als Eltern (telefonisch oder per Zoom, ca. 30 Minuten): Wir sprechen über die schulische Situation und wie sich die Leseschwierigkeiten äußern
  2. Lesediagnostik vor Ort (ca. 60 Minuten): Kombination aus Lautlesetest, leiser Lesetest, Beobachtung, spielerischen Elementen und Lesemotivation
  3. Auswertung und Feedbackgespräch: Du bekommst eine individuelle Rückmeldung über die Leseleistung deines Kindes mit Tipps für das häusliche Üben (ca. 30 Minuten)

Die Rückmeldung ist keine Endstation. Wenn sich zeigt, dass dein Kind Unterstützung braucht, überlegen wir gemeinsam die nächsten Schritte, individuell und passend zur Situation.

Ein Lesetest schafft Klarheit

Eine Lesediagnostik hilft dabei, die Leseleistung deines Kindes besser zu verstehen und gezielt zu unterstützen. Nach der Testung weißt du:

  • wo dein Kind beim Lesen steht
  • welche Bereiche bereits gut funktionieren
  • wo eine Förderung sinnvoll ansetzen kann

Die Ergebnisse können außerdem hilfreich für Gespräche mit der Schule sein, zum Beispiel wenn es um passende Unterstützungsmaßnahmen oder einen Nachteilsausgleich geht.

Wenn sich zeigt, dass dein Kind größere und anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen hat, kann eine Lerntherapie sinnvoll sein.

Lerntherapie: So kann ich dein Kind gezielt unterstützen

Du möchtest wissen, wie ich dein Kind gezielt unterstützen kann?
Hier findest du alle Infos zu meiner Lerntherapie und zum Lesetest.
Lernerfolg mit Lerntherapie: So kann ich dich unterstützen

Möchtest du tiefer ins Thema einsteigen, dann habe ich hier ein paar Lesetipps für dich:

Wie ältere Schüler mit LRS das richtige Buch finden
Warum viel Lesen nicht automatisch die Rechtschreibung verbessert, mehr Tipps hier
Spielerisch Lesen lernen, meine besten Tipps für Brett- und Kartenspiele

Hier geht’s zu meinem

Newsletter

Alles rund um das Lernen mit LRS und Rechenschwäche, Nachteilsausgleich und Lerntherapie in Schule

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert