Bei der Förderung von LRS geht es nicht darum, einfach noch mehr zu üben. Entscheidend ist die Frage: Welche Unterstützung braucht dieses Kind wirklich?

Wenn ein Kind beim Lesen, Schreiben oder Rechnen Schwierigkeiten hat, bekommt es oft schulische Förderung. Das klingt erst einmal gut und kann für manche Kinder auch genau die richtige Unterstützung sein. Aber nicht jedes Kind braucht dasselbe. Manche Kinder brauchen mehr Übungszeit zum aktuellen Schulstoff. Andere brauchen jemanden, der genauer hinschaut: Welche Grundlagen fehlen? Welche Strategien nutzt das Kind? Warum helfen Wiederholung und Üben bisher nicht weiter?

Besonders bei LRS oder Rechenschwäche reicht Förderunterricht in der Schule oft nicht. Dann braucht es eine Förderung, die an den Grundlagen ansetzt und genau hier kommt Lerntherapie ins Spiel.

Was viele jedoch nicht wissen: Lerntherapie muss nicht immer nachmittags in einer Praxis stattfinden. Lerntherapeuten können auch direkt an Schulen arbeiten und Kinder am Lernort Schule fördern. So findet Lerntherapie dort statt, wo Lernen jeden Tag passiert: in der Schule, während der wertvollen Vormittagsstunden und im engen Austausch mit den Lehrkräften.

Lehrkräfte, die bereits mit Lerntherapeuten zusammenarbeiten, erleben den Unterschied oft sehr konkret. Eine Klassenlehrerin sagte mir neulich:

„Susanne, die schulische Förderung hilft diesem Schüler nicht weiter. Hast du in deiner Lerntherapie-Gruppe hier an der Schule noch einen freien Platz?“ (Klassenlehrerin an einer Schule)

In diesem Blogbeitrag zeige ich dir, wie sich Lerntherapie von Förderunterricht unterscheidet und warum lerntherapeutische Förderung an der Schule für Kinder mit LRS oder Rechenschwäche so wertvoll ist.

Förderunterricht gibt es nicht überall und Lerntherapie in Schule ist noch zu unbekannt

Bevor wir die Unterschiede betrachten, ein wichtiger Hinweis: Schulische Förderung ist kein Selbstverständnis. An vielen Schulen fällt sie regelmäßig aus, wegen Lehrkräftemangel, weil Lehrkräfte dann im Vertretungsunterricht einspringen oder aufgrund allgemeiner knapper Ressourcen.

Es gibt Schulen, die ein festes Förderband für alle Schüler eingerichtet haben. Damit werden alle Schüler mit ihren unterschiedlichen Herausforderungen gefördert. Förderung wird somit ein Teil des Schulalltags und nicht zu etwas, das einzelne Kinder heraushebt. Das ist eine gute Lösung, aber nicht überall Realität.

Genau deshalb lohnt sich der Blick auf eine Möglichkeit, die noch viel zu wenig bekannt ist: Lerntherapie direkt an der Schule. Denn wenn Lerntherapeuten mit Schulen zusammenarbeiten, entsteht ein weiterer Weg der Unterstützung. Das ist besonders wichtig für Schüler, die mehr brauchen als eine Wiederholung des aktuellen Schulstoffs, zum Beispiel Kinder mit LRS oder Rechenschwäche, die von schulischer Förderung allein oft nicht ausreichend profitieren

Wo schulische Förderung hilft und Lerntherapie anders ansetzt

Schulische Förderung setzt direkt am Schulstoff an. Das Kind übt den aktuellen Stoff nochmals und wird für die nächste Klassenarbeit vorbereitet. Das ist für einige Schüler sinnvoll, für andere aber greift es nicht tief genug, wenn das eigentliche Problem woanders liegt.

Lerntherapie arbeitet an den Grundlagen, den Basiskompetenzen. Nicht am aktuellen Schulstoff, sondern an dem, was darunter liegt:

  • Wie verarbeitet dieses Kind Laute?
  • Welche Rechenstrategien nutzt es und warum führen sie immer wieder ins Leere?
  • Wie ist die Leseflüssigkeit und das Leseverständnis?

Gerade bei LRS oder Rechenschwäche reicht es oft nicht, einfach nur mehr zu üben. Viele Kinder haben schon sehr viel geübt und trotzdem bleibt Lesen langsam, Schreiben anstrengend und die Angst vor Fehlern ist sehr groß. Lerntherapie nimmt deshalb nicht nur die fachlichen Grundlagen in den Blick, sondern auch das Selbstvertrauen und die Lernmotivation.

Kinder mit LRS oder Rechenschwäche erleben oft jahrelang Misserfolge. Sie entwickeln Strategien, um nicht aufzufallen. Sie kämpfen still. Das hinterlässt Spuren, am Selbstvertrauen, an der Lernfreude und an der Frage: Traue ich mir überhaupt noch etwas zu? Genau hier setzt Lerntherapie an.

Drei Unterschiede zwischen Förderunterricht und lerntherapeutischer Förderung, die du kennen solltest

1. Diagnostik

Lerntherapie beginnt mit einer Förderdiagnostik, einem genauen Blick darauf, wo das Kind steht, was es kann und wo die Schwierigkeiten liegen. Diese Diagnostik begleitet den gesamten Prozess. Welche Schüler in die schulische Förderung kommen, orientiert sich meistens an Schulnoten und der Einschätzung der Lehrkraft.

Aus der Praxis: Ein Schüler der 2. Klasse machte wochenlang Fortschritte, dann plötzlich Rückschritte. Die Lehrkraft war ratlos. Im Einzelgespräch erklärte mir der Schüler stolz: „Papa hat mir gezeigt: Rechne Einer und Einer zusammen und die Zehner mit den Zehnern.“ Bei der Aufgabe 73 + 2 schrieb er 95 auf, weil er die 2 als Zehner behandelte. Der Trick vom Papa war gut gemeint, aber er hatte das aufgebaute Zahlenverständnis durcheinandergebracht. Der Schüler hatte einfach nur mit Ziffern gerechnet. Erst durch den Austausch zwischen mir als Lerntherapeutin und dem Schüler und im Anschluss mit der Lehrkraft, den Eltern und mir, wurde klar, was passiert war und wie es weitergehen konnte. Warum Lerntherapie nur im Zusammenspiel gelingt

Es ist daher so wichtig, sich für die Denkwege der Schüler Zeit zu nehmen. Im Klassenverband ist das oft viel schwieriger. Genau hier kann Lerntherapie ansetzen und im engen Austausch mit den Lehrkräften eine wertvolle Unterstützung für den Schüler sein.

2. Fachkraft

Lerntherapie wird von ausgebildeten Lerntherapeuten durchgeführt. Sie bringen Wissen über LRS, Rechenschwäche, Lernblockaden, Diagnostik, Förderplanung und emotionale Stärkung mit.

Die schulische Förderung übernehmen je nach Schule unterschiedliche Personen: Lehrkräfte, Förderlehrkräfte, pädagogische Assistenten oder andere. Das hängt stark von den Ressourcen der Schule ab. Und was oft vergessen wird, die schulische Förderung fällt immer dann aus, wenn Lehrkräfte fehlen oder z.B. der Vertretungsunterricht Vorrang hat. Dabei ist eine Regelmäßigkeit in der Förderung von großer Bedeutung.

3. Ziel

Schulische Förderung zielt auf bessere Noten und das Aufholen von Schulstoff. Lerntherapie stärkt die Basiskompetenzen, ohne die nachhaltiges Lernen nicht möglich ist, außerdem ist die Stärkung des Selbstwerts ein großer Schwerpunkt der Lerntherapie.

LRS Förderung: Förderunterricht oder Lerntherapie, was hilft?
Förderunterricht oder Lerntherapie, was ist der Unterschied

Welche Aufgaben Lerntherapeuten in der Schule haben können

Lerntherapie in der Schule bedeutet nicht zwingend, dass eine Lerntherapeutin fest angestellt ist. Auch die Art der Unterstützung in der Schule kann ganz unterschiedlich sein. Hier sind einige Möglichkeiten.

  • Prävention im Klassenverband: Die Lerntherapeutin berät Lehrkräfte, gibt Impulse für den Unterricht, sensibilisiert für Lernstörungen und klärt über Nachteilsausgleich auf. Das erreicht alle Kinder, nicht nur die mit Diagnose
  • Kleingruppenförderung: Auf Basis einer (Förder)-Diagnostik werden Kinder in Kleingruppen gezielt gefördert, es wird mit evidenzbasierten Methoden gearbeitet, ein individueller Förderplan erstellt und es findet eine regelmäßige Verlaufskontrolle statt
  • Intensive Einzelförderung: Für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf, zum Beispiel bei ausgeprägter LRS oder Rechenschwäche

Einen tieferen Einblick in die Förderung findest du, in folgendem Blogbeitrag Lerntherapie stärkt Schüler – mit dem Startchancenprogramm.

Lerntherapie in der Schule kann ganz unterschiedlich aussehen, je nach Schule, Schüler und Bedarf. Hier sind Einblicke aus meinem Schulalltag und Impulse, wie Lerntherapeuten an Schulen fördern können.

Förderung von LRS und Rechenschwäche, so kann es gelingen
Ein Tag in der Schule als Lerntherapeutin
So kann ein Lerntherapeut in der Schule unterstützen
Prävention von Rechenschwäche durch Lerntherapie an der Schule

Förderung von LRS: Förderunterricht und Lerntherapie – unterschiedlicher Fokus

Förderunterricht und Lerntherapie haben unterschiedliche Schwerpunkte. Für Kinder, die den Stoff grundsätzlich verstanden haben und vor allem mehr Wiederholung brauchen, kann schulische Förderung passend sein. Bei einer LRS oder Rechenschwäche braucht es jedoch etwas anderes. Schüler brauchen dann eine individuelle lerntherapeutische Förderung, die an den Basiskompetenzen ansetzt.

Ideal ist es, wenn Lehrkraft und Lerntherapeut gemeinsam auf ein Kind schauen. Am Lernort Schule, im direkten Austausch, mit kurzen Wegen. Was die Lehrkraft im Unterricht beobachtet, fließt in die Lerntherapie ein und umgekehrt. So entsteht eine Förderung, die wirklich passt.

Lerntherapie an Schule: Eltern können den ersten Impuls geben

Viele Eltern suchen lange nach einem Lerntherapieplatz am Nachmittag. Gleichzeitig wissen viele Schulen gar nicht, dass Lerntherapeuten auch direkt an Schulen arbeiten können, vormittags, im Schulalltag und im Austausch mit den Lehrkräften.

Genau deshalb ist es so wichtig, diese Möglichkeit bekannter zu machen, denn manchmal beginnt eine Kooperation mit einer einfachen Frage: „Könnte Lerntherapie auch an unserer Schule stattfinden?“

Vielleicht kennst du eine Lerntherapeutin, die vormittags Kapazitäten hat, vielleicht gibt es in deiner Region bereits Lerntherapeuten, die an Schulen arbeiten oder offen für Kooperationen sind. In unserem Lerntherapeuten-Netzwerk findest du eine Übersicht von Kolleginnen und Kollegen, die bereits mit Schulen zusammenarbeiten oder sich eine Kooperation vorstellen können. Denn je mehr Schulen wissen, dass Lerntherapie auch am Lernort Schule möglich ist, desto schneller können Kinder passende Unterstützung bekommen, vielleicht auch bald an deiner Schule.

Du möchtest den Unterschied zwischen schulischer Förderung und lerntherapeutischer Förderung auf einen Blick sehen? Dann lade dir meine kostenlose Übersicht herunter (coming soon) Sie kann dir als Gesprächsgrundlage dienen.

Meine Vision: Bis zum Jahr 2043 arbeitet an jeder Schule in Deutschland ein Lerntherapeut. Susanne Seyfried, Integrative Lerntherapeutin M.A.

Häufige Fragen

Ja. Lerntherapeuten können direkt an Schulen arbeiten, zum Beispiel in Kleingruppen, in Einzelförderung oder beratend im Austausch mit Lehrkräften.

Viele Eltern und Schulen wissen noch nicht, dass diese Möglichkeit besteht. Dabei kann Lerntherapie am Lernort Schule Schüler präventiv fördern.

Eltern können die Klassenlehrkraft oder Schulleitung ansprechen und fragen, ob eine Kooperation mit einer Lerntherapeutin möglich wäre.

Eine mögliche Frage ist:

„Könnte Lerntherapie auch an unserer Schule stattfinden?“

In unserem Lerntherapeuten-Netzwerk können Eltern schauen, ob es in ihrer Region Lerntherapeuten gibt, die bereits an Schulen arbeiten oder offen für Kooperationen sind.

Das hängt vom Bundesland und der Schule ab. In Baden-Württemberg gibt es zum Beispiel „Lernen mit Rückenwind“ als Finanzierungsmöglichkeit. Bundesweit bietet das Startchancenprogramm Schulen ein Budget, das für lerntherapeutische Förderung genutzt werden kann. Weitere Infos findest du hier

Förderunterricht setzt meist am aktuellen Schulstoff an. Kinder mit LRS brauchen jedoch häufig eine Förderung, die grundlegende Lese- und Rechtschreibprozesse aufbaut: Buchstaben-Laut-Verbindungen, Leseflüssigkeit, Rechtschreibstrategien, Textverständnis und Selbstvertrauen. Genau deshalb brauchen Schüler mit einer LRS eine Lerntherapie.

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