Damit Schüler mit einer LRS oder Rechenschwäche nicht mehr alleine gelassen werden

Dieser Blogbeitrag soll aufzeigen, wie eine Unterstützung von Schülern mit einer LRS (Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten) und /oder Rechenschwierigkeiten gelingen kann. Ich erkläre dir, warum multiprofessionelle Teams und insbesondere Lerntherapeuten eine Schullandschaft bereichern können. Möchtest du direkt erfahren, wie mathematische Förderung in der Schule gelingen kann, dann empfehle ich dir meinen Blogpost Dyskalkulieförderung in der Schule – so geht’s.

Stell dir vor, wir schaffen es diesen Schülern schon gezielt in der Schule zu helfen, unkompliziert und ohne Diagnostikmarathon. In der schulischen Förderung geht es um Prävention, um Freude am Lernen und der Unterstützung von allen Schülern, die mehr Zeit brauchen, nicht nur die mit einer diagnostizieren LRS oder Rechenschwäche.

Kennst du das auch? Wenn die Hilfe aus sich warten lässt

Vermutlich bist du Mutter/Vater eine Kindes mit einer LRS oder Rechenschwäche oder hast als Lehrkraft Schüler mit diesen Schwierigkeiten in der Schule.

Wenn du merkst, dass dein Kind im Lesen, Schreiben oder Rechnen Schwierigkeiten aufweist, geht die mühsame Suche nach Unterstützung los. Grundsätzlich ist es Aufgabe der Schule, allen Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Wenn eine Teilleistungsstörung vorliegt, gelingt das nur bedingt. Legasthenie und Dyskalkulie sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwar als Störungen aufgelistet, Krankenkassen sind jedoch nicht verantwortlich, denn die Grundfertigkeiten im lesen, schreiben und rechnen zu vermitteln ist eine pädagogische Aufgabe.

In der Lehrerausbildung allerdings kommen LRS und Rechenschwäche kaum vor. Lehrkräfte möchten gerne helfen,  fühlen sich aber nicht gut vorbereitet. Legasthenie und Dyskalkulie sind aber auch nicht Bestandteil des sonderpädagogischen Förderbedarfs.

Ja, aber gibt es nicht Förderstunden? Die gibt es, aber in der Praxis fallen diese viel zu oft aus, da kaum der Regelunterricht abgedeckt werden kann – Lehrermangel sei Dank. In Baden-Württemberg haben auch Beratungslehrer oft lange Wartezeiten.  Sie können herausfinden, wo Unterstützung nötig ist und Tipps geben, sind danach aber nicht vor Ort, um diese Schüler zu unterstützen.

So vergehen daher viele Monate, bis der Schüler endlich Unterstützung bekommt. Eltern fühlen sich oft massiv im Stich gelassen und drehen sich bei der Suche nach Unterstützung im Kreis.

Schüler mit einer LRS und/oder Rechenschwäche brauchen unsere Unterstützung – jetzt!

Was passiert, wenn sich Familien eine private Lerntherapie nicht leisten können?

Eine außerschulische Lerntherapie muss meist privat finanziert werden. Wenn Eltern aber nicht das Geld haben, diese zu finanzieren, landen sie erstmal in einer Sackgasse.
Der Frust und die emotionale Belastung steigt und der Schüler kann trotz durchschnittlicher Begabung dem Schulstoff nicht mehr folgen. Da Lesen und Schreiben Kompetenzen sind, die in allen Fächern eine Rolle spielen, kann sich eine Negativspirale entwickeln und der Schulfrust zu Schulverweigerung führen. In ganz wenigen Fällen gibt es die Möglichkeit eine Lerntherapie über das Bildungs-und Teilhabepaket zu finanzieren.

Aber sowas zahlt doch das Jugendamt?!

Gibt es für solche „Fälle“ nicht eine Finanzierung über das Jugendamt höre ich immer wieder. Ja, die gibt es, aber um eine Kostenübernahme der Lerntherapie übers Jugendamt zu bekommen, gibt es 3 wichtige Bedingungen

  • eine fachärztliche Diagnostik liegt vor, es wird ein IQ Test und ein LRS oder Dyskalkulie Test durchgeführt (oft folgen noch weitere Untersuchungen, wie z.B. beim Augen-/Ohrenarzt)
  • das Kind leidet emotional massiv unter seinen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und/oder Rechnen
  • es liegt eine sogenannte Teilhabe Beeinträchtigung vor (ob und wie ausgeprägt diese vorliegt, entscheidet das Jugendamt)

Dies alles ist eine extrem hohe Hürde, um dem Schüler, die Hilfe zukommen zu lassen, auf die er Anrecht hat. Er möchte doch nur beim Lesen, Schreiben und Rechnen Unterstützung bekommen.

Dabei sind die Antragswege von Jugendamt zu Jugendamt extrem unterschiedlich. Von wenigen Wochen bis hin zu einem Jahr kann vergehen, bis der Schüler Hilfe bekommt. Die Antragsstellung ist aufwändig, manchmal werden Hausbesuche gemacht, mehrere Gespräche geführt und Fragebögen von der Schule verlangt.  Eltern müssen somit sehr viel Geduld und Kraft aufbringen. Manchmal wird der Antrag dann nach monatelangem Aufwand abgelehnt.

Auch schon der Gang zum Kinder-Jugendpsychiater oder Psychologen (als Voraussetzung für den Antrag beim Jugendamt) ist für viele Eltern oft abschreckend, denn mein Kind ist doch nicht krank.

LRS und Rechenschwäche gibt es doch nur ganz selten – oder?

In jeder Klasse finden sich ca. 2-3 Schüler mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie. Wenn man diese enge Definition nicht zugrunde legt, sondern von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten oder Rechenschwierigkeiten spricht, sind es ca. 20% der Schüler, die mehr Unterstützung benötigen. Diese gilt es frühzeitig zu fördern und positiv zu bestärken, bevor die Lücken immer größer werden und die Lernmotivation sinkt.

Warum lohnt sich lerntherapeutische Förderung in der Schule? Welche Vorteile gibt es?

3 überzeugende Argumente für Lerntherapie in der Schule

 Prävention: Unterstützung, bevor es brennt 

Prävention ist nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Lebensmotto jedes Lerntherapeuten.
Je früher erkannt wird, dass der Schüler im Lesen, Schreiben oder Rechnen Unterstützung benötigt, desto wirksamer und effektiver ist die anschließende Förderung. Lerntherapeuten helfen daher bevor die Schwierigkeiten immer größer werden. Sie sind vor Ort und können sofort mit einer passgenauen Förderung beginnen.

Bildungsgerechtigkeit: Jeder bekommt die Förderung, die er braucht

Bildung sollte sich jeder leisten können. Denn wer den Antragsmarathon beim Jugendamt nicht stemmen möchte oder kann und wer die Voraussetzungen nicht erfüllt, bleibt auf der Strecke. Eine private Finanzierung ist auch nicht immer möglich. Den Schülern sollten aber deswegen keine Förderung verwehrt werden.

Wenn die Schule sich der Verantwortung stellt und die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellt, dann kann unabhängig vom Geldbeutel der Eltern das Kind unterstützt werden. Wir schaffen mit Lerntherapeuten in Schulen Bildungsgerechtigkeit.

Selbstwert stärken: Vermeidung von Verhaltensauffälligkeiten

Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie zeigen oft auch psychische Verhaltensauffälligkeiten, wie Angststörungen oder depressive Verstimmungen. Dies kann sich massiv auf die familiäre Situation auswirken. So weit muss es nicht kommen, wenn diese Schüler frühzeitig Hilfe bekommen.

Was macht überhaupt ein Lerntherapeut in der Schule?

Das klingt alles wunderbar, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Lerntherapeuten können aufgrund ihrer ausgeprägten Fachkompetenz eine genaue Diagnostik durchführen. Eine Diagnostik, die nicht nur aufzeigt, dass der Schüler Schwierigkeiten hat, sondern auch wunderbare Stärken und Ressourcen.

Auf Basis dieser Diagnostik wird ein individueller Förderplan erstellt, um darauf aufbauend die Förderung zu planen und zu beginnen – immer orientiert am Lernstand des Schülers.

Der Lerntherapeut vor Ort kann auch helfen einen passenden Nachteilsausgleich zu definieren und Eltern und Lehrkräfte im Umgang mit den Lernherausforderungen schulen. Außerdem ist die Stärkung des Selbstvertrauens und der Selbstwirksamkeit Bestandteil der Lerntherapie.
Hand in Hand kann mit der Lehrkraft der Schüler die nötige Unterstützung bekommen. Durch den regelmäßigen Austausch gewährt werden, dass der Schüler zu keinem Zeitpunkt unter-oder überfordert ist.

Wir müssen Schule neu denken – im Sinne der Schüler

Multiprofessionelle Teams an Schulen sind machbar – auch finanziell

Natürlich entstehen Kosten für zusätzliche Fachkräfte wie Lerntherapeuten als Teil eines multiprofessionellen Teams.
Aber wer sagt, dass es nichts kostet, diese Schüler im Stich zu lassen?  Die Folgekosten, die entstehen, wenn Schüler ein Schuljahr wiederholen oder womöglich keinen Schulabschluss schaffen, müssen betrachtet werden. Auch die Leistungen vom Jugendamt kosten Geld, nicht nur die Lerntherapie an sich sondern der ganze Verwaltungsapparat dahinter von der Antragsstellung, über Hilfeplangespräche und anschließende Weiterbewilligungen. Ich möchte hier gerne einen Artikel der Frankfurter Rundschau zitieren, der anhand ganz konkreter Zahlen aufzeigt, dass wir uns Lerntherapie in Schulen auch finanziell leisten können.

Wenn wir Schüler nicht unterstützen, kostet das auch Geld

  • ca. 150.000 Schüler haben im Schuljahr 2013/2014 die Klasse wiederholt
  • ein Schuljahr zu wiederholen kostet ca. 6.800 Euro

Diese Kosten haben wir. Sie zeigen uns, dass es teuer ist, wenn wir Schüler mit Lernschwierigkeiten hängen lassen. Diese Zahlen zeigen aber auch eindeutig, dass sich mit diesen Mitteln u.a. Lerntherapeuten finanzieren ließen, die dann die Lehrkräfte und Schüler vor Ort bei einer LRS oder Rechenschwäche, einer ADHS oder Hochbegabung und z.B. Autismus-Spektrum-Störungen unterstützen können.

Schaut doch mal in den Beitrag der Frankfurter Rundschau von Josef Hanel rein mit dem Titel „Schule neu denken“.

Alles nur Vision? Modellprojekte und erfolgreiche Zusammenarbeit gibt es schon

Lerntherapie an Schule ist an einigen Schulen erfolgreich etabliert, teils schon seit vielen Jahren mit ganz unterschiedlichen Finanzierungsmodellen. Beispiele gibt es genügend (einige habe ich in meinem Blogpost ganz unten aufgelistet). Beispiele aus denen wir lernen und uns Dinge abschauen können. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, wir müssen mutig sein und Schule ganz einfach neu denken.
Die Wirksamkeit einer integrativen Lerntherapie ist in mehreren Studien bestätigt worden. Nutzen wir das enorme Potential von Lerntherapeuten, entlasten damit die Lehrkräfte und fördern die Schüler.

Sind wir auf die Forschungsergebnisse der Uni Hamburg gespannt

Um die positiven Effekte von Lerntherapie in Schule noch besser zu erforschen, ist im November 2019 ist das Pilotprojekt „LetS-GO! – Integrative Lerntherapie in der Schule gestartet. In fünf Hamburger Grundschulen werden Lerntherapeutinnen zunächst mit fünf Stunden pro Woche Kinder begleiten und unterstützen. Das Projekt wird in den nächsten drei Jahren begleitet und evaluiert. Dabei werden Bedingungen erforscht, die zum Erfolg von Lerntherapie in Schule beitragen können.
Wir können auf die Ergebnisse gespannt sein.

Jetzt bist du gefragt: mehr Wissen zu LRS und Rechenschwäche

Schüler mit Lernschwierigkeiten haben unsere Unterstützung verdient: niederschwellig und besten präventiv in der Schule.

Möchtest du auch lerntherapeutisches Wissen in die Schulen bringen? Bist du möglicherweise Lehrkraft und möchtest mehr über LRS und Rechenschwäche erfahren und Schülern gezielt helfen? Dann lass uns reden und informiere dich über meine nächsten Fortbildungen.

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Weitere Anregungen zu Lerntherapie in Schule findest du in meinen Artikel vom Bildungsmagazin des Landeselternbeirats.

 

 

 

 

 

Quellen für weitere Informationen zu Lerntherapie in Schule

  • Dr. Johanna Hilkenmeier, Gelingensbedingungen von Lerntherapie in Schule, Universität Hamburg
  • Auf der Kreisel Website finden sich viele weitere Informationen, Artikel und Kreisel Projekte zu Lerntherapie in Schule

Lerntherapie in Schule Projekte (eine Auswahl)

Hildesheim LeFiS “ (z.B. Balke Melcher, Schuchardt & Mähler, 2016)
Berlin SchuLe “ (z.B. Breuninger & Rottig, 2017)
Berlin Legafinow “ (z.B. Hülsmann, 2014)
Berlin „Jedes Kind kann rechnen lernen!“ (z.B. Huck & Schulz, 2015)
Hamburg „Früh fördern statt spät sitzenbleiben!“ (z.B. Klein, 2011)

 

 

 

 

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