Steht bei deinem Kind auch die Fremdsprachenwahl an und dein Kind hat eine LRS? Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Fremdsprache sollten nicht nur von persönlichen Vorlieben geprägt sein, sondern auch die individuellen Stärken und Schwächen der Kinder berücksichtigen.

Wenn Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) ins Spiel kommen, wird die Fremdsprachenwahl zu einer Herausforderung. Ich teile in diesem Blogbeitrag viele wertvolle Tipps und Überlegungen, die dir dabei helfen können, die richtige Entscheidung zu treffen.

Fun Fact: Ich hatte Latein als erste Fremdsprache (ab Klasse 5) noch vor Englisch (ab Klasse 7), danach Spanisch (ab der 9.) und die letzten 3 Schuljahre aufgrund eines Schulwechsels Französisch (ab Klasse 11). 

Latein – Ars Linguae: Die Kunst der lateinischen Sprache

Ist Latein die richtige Sprache? Es ist doch eine „tote“ Sprache, dafür ist die Aussprache einfach und ist sehr logisch aufgebaut. Welche speziellen Herausforderungen Latein mit sich bringt, erfährst du hier.

Auch ich hatte Latein viele Jahre lang und kann mich noch gut an meine Schulzeit und die Argumente meines Vaters erinnern: „Latein hilft dir bei Fremdwörtern, Latein ist die Grundlage für weitere romanische Sprachen“. Mein Vater war maßgebend bei der Wahl meiner ersten Fremdsprache. Ich wechselte sogar extra wegen Latein die Schule, um ab der 5. Klasse Latein zu lernen (in Berlin beträgt die Grundschulzeit 6 Jahre, an meiner alten Schule gab es nur Englisch als erste Fremdsprache).

Lateinische Inschrift

So falsch war Latein nicht, die Aussprache war super einfach und die Grammatik sehr logisch aufgebaut. Mein Lateinlehrer hat immer gesagt: „Jede Lateinstunde ist auch eine Deutschstunde“. Nach vielen Jahren Latein hat mir persönlich jedoch der Alltagsbezug gefehlt. Es war dann doch „zu viel Geschichte“. Andere aus meiner Klasse waren so begeistert, dass sie sogar Latein als Leistungskurs gewählt haben.

„Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.“

(De bello Gallico – einer von vielen Texten, die wir im Lateinunterricht übersetzt hatten)

Für Latein sprechen verschiedene Aspekte:

  • Einfache Aussprache: Latein legt kaum Wert auf die Aussprache, was viele Schüler entlastend empfinden
  • Systematische Grammatik: Die Grammatik im Lateinischen ist äußerst systematisch aufgebaut, was das Verständnis erleichtern kann
  • Deutsche Unterrichtssprache: Der Unterricht erfolgt auf Deutsch, was die Lernprozesse unterstützt
  • Verzicht auf Diktate: Im Gegensatz zu anderen Sprachen gibt es in Latein keine Diktate
  • Individuelle Faktoren: Mangelnde mündliche Beteiligung: Ein Schüler zeigt wenig mündliche Beteiligung in der ersten Fremdsprache und keine Präferenz für eine kommunikativ ausgerichtete Fremdsprache. Latein mag eine gute Wahl sein, weil im Lateinunterricht schwerpunktmäßig Texte übersetzt werden.

Argumente gegen die Wahl von Latein:

  • Kommunikation und Auslandsaufenthalt: Keine Möglichkeit, die Sprache durch aktive Kommunikation im Unterricht oder während eines Auslandsaufenthalts zu festigen
  • Hoher Lernaufwand: Erheblicher Lernaufwand in Bezug auf den Aufbau von Vokabular und die Aneignung grammatischer Strukturen
  • Semantische Herausforderungen: Eine Vielzahl von Vokabeln im Lateinischen hat je nach semantischem Kontext unterschiedliche Bedeutungen

Beispiel: das Verb „legere“ kann sowohl „lesen“ als auch im übertragenen Sinne „auflesen“ (= aufsammeln) übersetzt werden. Es ist wichtig, den genauen Kontext des Textes bzw. des zu übersetzenden Satzes zu berücksichtigen.

  • Morphologische Fallstricke: Verwechselungen von Endungen, beispielsweise durch ungenaues Lesen. Dies führt oft dazu, dass der gesamte Satz keinen Sinn mehr ergibt.

Fazit: Empfehlenswert ist es, einmal in den Lateinunterricht hineinzuschnuppern, um ein Gefühl für die Sprache und den Unterricht zu bekommen. Trotz einfacher Aussprache und systematischer Grammatik ist Latein mit einem hohen Lernaufwand verbunden und hat außerdem einige sprachliche Herausforderungen. Für Schüler, die an geschichtlichen Themen Interesse zeigen und weniger mündlich in der ersten Fremdsprache aktiv sind (sein möchten), könnte Latein eine gute Wahl sein.

Spanisch – Encanto del Idioma: Die Magie der spanischen Sprache

Spanisch ist eine moderne Sprache und wird in über 20 Ländern gesprochen. Leider gibt es Spanisch an Schulen nicht flächendeckend. Es lohnt sich aber, sich mit der Sprache ein wenig intensiver zu beschäftigen, um für dein Kind mit einer LRS eine gute Fremdsprachenwahl zu fällen.

Spanisch lernen mit Freude

Für Spanisch sprechen verschiedene Aspekte:

  • kommunikative Sprache: in vielen Ländern spricht man Spanisch und hat somit die Möglichkeit auf Reisen seine Kenntnisse zu vertiefen
  • leichte Schreibweise: Lernende können oft die korrekte Schreibweise erraten, wenn sie die Aussprache eines Wortes kennen, was das Schreiben und Lesen vereinfacht.
  • starke Graphem-Phonem-Entsprechung: Die klare Verbindung zwischen Buchstaben und Klängen im Spanischen macht es einfach, die Schreibweise von der Aussprache abzuleiten.
  • Betonung durch Akzente: Spanische Akzente helfen, die korrekte Betonung von Wörtern anzuzeigen, was das Lesen erleichtert.

Argumente gegen die Wahl von Spanisch:

  • Vielfalt von Zeitformen: Dies mag für Schüler herausfordernd sein (z.B. subjuntivo und viele unregelmäßige Verben)
  • Besondere Buchstaben: Bestimmte Buchstaben-Laut-Kombinationen, die es in anderen Sprache nicht gibt, müssen erst erlernt werden (ñ oder ll). Auch die stumme Aussprache des Buchstabens <h> kann für LRS Schüler schwierig sein
  • Betonung und Akzentsetzung: Die Betonungsregeln im Spanischen können Probleme verursachen. Gleichlautende einsilbige Wörter mit verschiedenen Bedeutungen werden durch einen Akzent unterschieden

Fazit: Spanisch ist für Schüler, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, trotz neuer Laute und ungewohnter Regeln in der Betonung von Wörtern eine gute Wahl. Die Übereinstimmung von Buchstaben und Lauten erleichtern das Erlernen der Sprache.

Französisch – Éclat de la Langue: Der Glanz der französischen Sprache

Französisch ist ganz oft die Sprache, die als zweite Fremdsprache angeboten wird. Ein großer Vorteil ist die Nähe zu Frankreich und die Möglichkeit, die Sprache vor Ort zu erlernen. Allerdings ist die Grammatik komplex und Aussprache und Schreibungen weichen im Französischen stark voneinander ab. Daher sollte die Entscheidung für oder gegen Französisch wohlüberlegt sein.

Für die Wahl von Französisch gibt es folgende Argumente:

  • Nachbarland: insbesondere Familien aus angrenzenden Bundesländern sind relativ schnell in Frankreich und können so aktiv die Sprache üben
  • International: Französisch ist Landessprache in 39 Ländern und wird von 98 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Französisch als Weltsprache eröffnet die Tür zu internationalen Kontakten und kulturellem Austausch. Spanisch allerdings wird von etwa 460 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen und ist Landessprache in 22 Ländern.
  • Freude am Klang der Sprache: Französisch ist sehr melodisch und kann einige Schüler motivieren, die Sprache zu lernen
  • Abneigung gegen Latein als alte und tote Sprache: Das mag tatsächlich ein Grund für Schüler sein, wenn nur Latein und Französisch zur Auswahl stehen. Allerdings sollte man sich Vor- und Nachteile beider Sprachen genauer anschauen, bevor man ein Urteil aufgrund von allgemeine
  • Themen aus dem Alltag der Schüler: Die Themen im Unterricht stammen aus dem französischen Alltag und entsprechen den Alltagserfahrungen der deutschen Schüler.

Argumente gegen die Wahl von Französisch 

  • Komplexe Aussprache und Lautverbindungen: Die französische Sprache ist nicht lautgetreu und bekannt für ihre komplexen Ausspracheregeln und Lautverbindungen
  • Endungen von Wörtern werden nicht mitgesprochen, damit ist die Rechtschreibung und auch das  Lernen der Vokabeln nicht ganz einfach
  • im Vergleich zu Spanisch ist Französisch weniger verbreitet

Fragen, die bei der Fremdsprachenwahl mit einer LRS helfen können

Die Entscheidung für eine (zweite) Fremdsprache sollte bewusst getroffen werden. Folgende Fragen können dir eine Orientierung geben:

  • Berücksichtigt die Fremdsprache die Fähigkeiten und die Persönlichkeit deines Kindes?
  • Wie wird die Legasthenie/LRS an der Schule berücksichtigt? Besteht ggf. die Möglichkeit, Erfahrungen von anderen Eltern einzuholen
  • Welche Hobbys hat dein Kind? Ist es offen für neue Länder und Kulturen?
  • Verreist ihr als Familie regelmäßig in bestimmte Länder, wo die Sprache gesprochen wird?
  • Kann jemand aus der Familie/dem Bekanntenkreis beim Erlernen dieser Sprache unterstützen?
  • Ist dein Kind interessiert an Geschichte, historischen Hintergründen?

Jede Sprache birgt ihre eigenen Vorteile, aber auch Hürden. Welche Sprache letztendlich gewählt wird, ist eine ganz individuelle Entscheidung und sollte zu den Interessen und Fähigkeiten deines Kindes passen.

Kommentiere doch gerne unter dem Blogbeitrag, welche Erfahrungen du bei der Fremdsprachenwahl mit einer LRS gemacht hast.

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Quellen:

 

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