Gut lesen zu können, spielt für Schüler in allen Fächern eine bedeutende Rolle. Einige Schüler haben jedoch beim Lesenlernen größere Schwierigkeiten und benötigen Unterstützung. Um diese Schüler gut zu unterstützen, gewinnen immer mehr auch technische Hilfsmittel an Bedeutung.

Eines dieser Hilfsmittel ist der C-Pen, ein Vorlesestift, deren Verwendung kontrovers diskutiert wird. Einige Eltern, aber auch Lehrkräfte sehen den Einsatz des Vorlesestifts als Erleichterung, manchmal werden jedoch auch Bedenken geäußert, dass der C-Pen Schülern das Lesenlernen erschwert und zur Faulheit verleiten könnte.

Im Interview mit Sabine Walker, Lerntherapeutin aus Kirchentellinsfurt hinterfrage ich diese Bedenken kritisch und zeige auf, wie der C-Pen eine wertvolle Unterstützung für Schüler sein kann.

Du bekommst hier Tipps zur Handhabung des Stiftes und Ideen, wie du als Mutter, Vater, aber auch Lerntherapeut mit Schulen ins Gespräch gehen kannst, damit der C-Pen als Hilfsmittel im Unterricht zugelassen wird. Du erfährst aber auch, wie der Lesestift den Selbstwert der Schüler stärken kann.

C-Pen: Unabhängigkeit und Hilfe beim Lesen 

Der C-Pen ist nicht nur ein Lesestift zur Verbesserung des Lesens und Verstehens von Texten, sondern auch ein Hilfsmittel, um längere Textpassagen in Klassenarbeiten, Hausaufgaben oder auch Prüfungen zu bewältigen. Er fördert die Unabhängigkeit der Schüler. Denn ganz oft fehlt im Unterricht die Zeit, um Schülern mit Leseschwierigkeiten Texte vorzulesen. Daher ermöglicht der Vorlesestift den Schülern, eigenständig an Texten zu arbeiten und sich auf den Inhalt zu konzentrieren, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob sie jedes Wort perfekt lesen können.

Einfache Handhabung und Anwendung

Sabine spricht an, dass die Handhabung des C-Pens anfangs ein wenig Übung erfordert, aber mit einer kurzen Anleitung zur Stifthaltung und dem richtigen Überfahren des Textes sind die Schüler in der Regel schnell einsatzbereit.

Neben der Sprache kann auch die Lesegeschwindigkeit eingestellt werden und ebenfalls ob das Kind Links- oder Rechtshänder ist. Lehrkräfte und Lerntherapeuten können den Schülern gezielte Tipps geben, um die Verwendung des C-Pens zu erleichtern.

Wie wird der Stift aus deiner Sicht von Schülern (auch bei älteren) angenommen?

Sabine berichtet, dass der Stift ganz unterschiedlich angenommen wird. Sie hatte z.B. einen Jungen mit Asperger, für ihn war das überhaupt keine Hilfe. Für einen anderen Schüler war der Stift hingegen eine geniale Erfindung.
Sabine hat sich für diesen Schüler eingesetzt und erreicht, dass der Stift auch bei der Abschlussprüfung der Werkrealschule im Rahmen eines individuellen Nachteilsausgleichs verwendet werden durfte.
Viele Kinder sind jedoch sehr erleichtert, dass sie endlich etwas in die Hand bekommen, mit dem sie unabhängig sind. Denn nicht immer kann jemand in der Schule für sie vorlesen. Dann hilft der Lesestift bei Klassenarbeiten oder auch im Unterricht.

Üben Schüler dann überhaupt noch lesen, wenn sie den C-Pen verwenden?

Sabine berichtet von ihren Erfahrungen: Keines der Kinder oder Jugendlichen hat sich bisher in irgendeiner Form entzogen, weiter am Lesen lernen zu arbeiten. Aber sie stehen nicht mehr so unter Druck, es jetzt können zu müssen, weil jetzt die Hausaufgaben oder Klassenarbeiten oder Prüfungen anstehen. Sie können sich jetzt mehr auf den Inhalt und auf das, was zu lernen ist, konzentrieren. Somit können sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und stolpern nicht immer über ihre „Unfähigkeit“.

Ein Argument für den Stift ist auch, dass die Kinder die Wörter oder Sätze, die vorgelesen werden, auf dem Stift verfolgen können. Das heißt, damit lesen sie mit, was der Stift vorliest und das verankert sich im Gehirn.
Dadurch sind die Kinder immer aktiv beim Lesen dabei, d.h. sie müssen auch den Sinn des Gelesenen verstehen und können es sich immer wieder vorlesen lassen, was enorm hilfreich ist.

Sabine merkt an, dass ein Vorlesestift die Schüler nicht davon befreit, trotzdem im Leseprozess weiter voranzugehen und zu üben, aber dass es über lange Zeit einfach ein Hilfsmittel ist, welches unterstützt, erleichtert und unabhängig macht.

Tipps für Gespräche mit Lehrkräften, damit dieser Vorlesestift als Hilfsmittel anzuerkennen

Sabine erlebt manchmal, dass gewisse Hemmnisse gegenüber der Verwendung eines Lesestiftes in der Schule existieren. Aber sie hat verschiedene Argumente, warum der Stift im Unterricht eine große Hilfe sein kann.

Der Lesestift ist nicht internetfähig. Man kann daher auf diesem Stift nichts speichern und auch nicht damit online gehen. Das bedeutet, dass ich ihn nicht als Spickzettel verwenden kann, was ein wichtiges Argument den Schulen gegenüber ist.

Außerdem fördert der Stift die Motivation, selbständig Dinge zu erlesen und sich wieder aktiv mit dem Lesen von Texten zu beschäftigen. Die Schüler können so unabhängig und selbständig agieren. Das ist eine Erleichterung auch bei den Hausaufgaben und für die ganze Familie daheim. Somit wird der Selbstwert der Schüler gestärkt.
Zusätzlich eignet sich der Stift in allen Fächern (er liest auch englische Texte) und kann bei den Textaufgaben im Fach Mathematik helfen.

Wenn dann immer noch Bedenken seitens Schulen geäußert werden, dann flechtet Sabine ins Gespräch mit ein (sie ist Brillenträgerin), dass niemand einem verweigern würde, eine Brille aufzusetzen. Denn durch eine Brille wird die eigene Sehfähigkeit unterstützt und es macht  unabhängig.

Fazit: Lesen fördern und Unabhängigkeit stärken

Der C-Pen ist ein wertvolles Hilfsmittel, das Schülern hilft, das Lesen zu verbessern und ihre Unabhängigkeit zu verbessern. Er ermutigt Schüler, aktiv am Lesen teilzunehmen und im Leselernprozess zu voranzukommen. Der Vorlesestift kann überall dort eingesetzt werden, wo Lesekompetenzen von Bedeutung sind.

Eines der wichtigsten Ziele ist, dass Schüler die Fähigkeit entwickeln, eigenständig und unabhängig von diesem Stift lesen zu können. Der C-Pen ist somit ein unterstützendes Hilfsmittel auf dem Weg zu einer selbstbewussten Lesefähigkeit.

Vielen lieben Dank für das wunderbare Interview Sabine und deinen Einblick in deine Erfahrungen mit dem Vorlesestift, dem C-Pen.

Übrigens, bei mir vor Ort in Villingen-Schwenningen kannst du den C-Pen auch gerne mal während eines Beratungsgespräches ausprobieren.

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Ja, ich freue mich drauf

 

 

 

 

 

2 Comments

  • Hallo,
    dieses Interview gibt 1:1 meine Erfahrungen wieder.
    Meine Tochter (11) hat LRS und wir haben ihr letztes Jahr den C-Pen gekauft. Sie ist viel entspannter und selbstständiger geworden. Sie geht viel ruhiger in Klassenarbeiten, weil sie dort für lange Texte den PEN benutzen kann, oder auch mal eine Textaufgabe in Mathe damit noch einmal nachlesen kann (vorher wurden Aufgaben schon mal falsch gerechnet, weil sie durch falsches Lesen eine Aufgabenstellung total verändert hat). Zuhause werden Aufgaben viel selbstständiger gemacht.

    Trotz allem leiht sich meine Tochter dicke Bücher in der Bibliothek aus und liest diese gerne. Auch da hat sie für sich noch eine Methode entwickelt besser Lesen zu lernen: Sie hört parallel das Hörbuch und liest mit. Die Idde kam ganz von ihr alleine. Sie wollte nämlich wissen, ob die Hörbücher 1:1 vorgelesen werden, oder ob etwas weggelassen wird – sie hat mir stolz berichtet, es wird jedes Wort gelesen 😀

    In der Schule hat sie den C-Pen allen Lehrern und den Mitschülern vorstellen dürfen, das hat auch die Akzeptanz der Mitschüler gefördert und die Lehrer kannten dieses Hilfsmittel gar nicht und unterstützen die Nutzung.

    Wir als Familie können die Nutzung des C-Pen nur empfehlen!

    Viele liebe Grüße
    Diana

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