Mit diesem Glossar Lerntherapie bekommst du einen Einblick in alle Begriffe rund um das Thema Lerntherapie, LRS, Legasthenie, Rechenschwäche und Dyskalkulie. Als Mutter oder Vater hast du vermutlich viele Fragezeichen und möchtest gerne Antworten.

Warum ein Glossar Lerntherapie?

Immer wieder erreichen mich Anfragen von Eltern, aber auch Lehrkräften zu bestimmten Begriffen aus dem Bereich Lerntherapie. Was ist überhaupt ein Hilfeplan, was bedeutet evidenzbasiert und gibt es einen Unterschied zwischen Rechenschwäche und Rechenstörung? In vielen meiner Blogartikel erkläre ich diese Begriffe genauer, was aber schon lange gefehlt hat, ist eine kompakte Übersicht.

Alle Begriffe erkläre ich in diesem Glossar Lerntherapie mit wenigen Worten: zum Nachschlagen, zum Teilen oder um das eine oder andere aufzufrischen.

Akzeptanz im Klassenverband

Ein offener Umgang mit Lernschwierigkeiten im Klassenverband ist so wichtig. Wenn Offenheit in der Schule und im Klassenverband existiert, muss sich kein Schüler rechtfertigen, weil er einen Nachteilsausgleich bekommt.

Ein gelungenes Beispiel, wie mit Vielfalt im Klassenverband umgegangen werden kann am Beispiel Dyskalkulie, habe ich hier beschrieben (Link führt zu meinem Beitrag im Betzold Blog).

Anamnesegespräch

Beim Anamnesegespräch erfährt der Arzt bzw. Diagnostiker die Vorgeschichte des Schülers (und der Eltern) und kann durch gezielte Fragen wichtige zusätzliche Hinweise und Informationen gewinnen. Manchmal gibt es auch Fragebögen zum Ausfüllen für die Eltern. Auch der Lerntherapeut führt meist ein Anamnesegespräch und möchte so mehr Hintergrundinformationen zum Schüler und zur Familie erfahren, um darauf aufbauend die Lerntherapie zu planen.

Diagnostik

Zur Diagnostik gehören alle Untersuchungen bzw. Testverfahren, die durchgeführt werden, um herauszufinden, welche Herausforderungen/Lernstörungen das Kind hat

  • Intelligenzdiagnostik
  • Dyskalkulie – oder Legasthenie-Diagnostik
  • Testungen zur Konzentration oder Aufmerksamkeit
  • ggf. weitere Untersuchungen/Tests (Hören, Sehen)

Wer darf eine medizinische Diagnostik der Lese-Rechtschreibstörung oder Rechenstörung durchführen?

  • Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeuten
  • psychologische Psychotherapeuten

Mehr Infos zur Diagnostik der Dyskalkulie findest du hier. 

Dyskalkulie

Die Begriffe Dyskalkulie und Rechenstörung werden häufig bedeutungsgleich verwendet. Sie beschreiben ausgeprägte Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens. Das Wort Dyskalkulie leitet sich vom griechischen Wort „dys“ (schlecht) und dem lateinischen Wort „calculatio“ (Berechnung) ab.

Weitere Infos zum Thema Dyskalkulie, Rechenstörung und Rechenschwäche findest du in diesem  Glossar Lerntherapie unter dem Punkt Rechenstörung.

Eingliederungshilfe

Wenn ein Kind eine seelische Behinderung hat oder von einer seelischen Behinderung bedroht ist, können Eltern Eingliederungshilfe erhalten. Diese soll verhindern, dass das Kind später mit Schwierigkeiten bei der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu kämpfen hat. Einen Antrag auf Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII kann man beim Jugendamt stellen.

Das heißt aber auch, dass die Finanzierung einer Lerntherapie nur klappt, wenn das Kind von einer seelischen Behinderung bedroht ist, nur die Dyskalkulie oder Legasthenie wird nicht finanziert (siehe auch Punkt Finanzierung).

Evidenzbasiert

Evidenzbasiert bedeutet, dass ein wissenschaftlich nachgewiesener Zusammenhang bzw. eine nachgewiesene
Wirksamkeit vorliegt (wichtig ist das z. B. bei Förderprogrammen).

Finanzierung

Oft müssen Eltern eine Lerntherapie privat finanzieren. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Kostenübernahme einer Lerntherapie übers Jugendamt oder über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) erfolgen.

  • Private Finanzierung
  • Jugendamt
  • Bildungs- und Teilhabepaket (BuT)

Ausführliche Infos findest du hier.

Hausaufgaben

Hausaufgaben sind ein Thema, was Eltern bis zum Rande der Erschöpfung bringen kann. Vermutlich wunderst du dich, warum ich diesen Begriff in mein Glossar Lerntherapie aufgenommen haben. Hausaufgaben sind oft Streitpunkt in jeder Familie. Meine besten Tipps für entspannte Hausaufgaben findest du hier.

Hausaufgaben sind aber auch Bestandteil jeder Lerntherapie. Aber keine Sorge, das sind überwiegend richtig tolle Übungen, die deinem Kind Freude machen werden: Spiele, Leseübungen, Übungen zum Entdecken oder regelmäßige Aufgaben, damit die Inhalte der Lerntherapie vertieft werden können.

Hausaufgaben von der Schule können aber auch für den Schüler mit einer LRS oder Rechenschwäche differenziert werden (Sitchwort Nachteilsausgleich): weniger Aufgaben, ein bestimmtes Zeitlimit, angepasste Übungen etc.

Hilfeplangespräch

Wird regelmäßig (in der Regel alle 6 Monate) durchgeführt, wenn die Finanzierung über das Jugendamt läuft. Am runden Tisch sind in der Regel die Eltern dabei, Mitarbeiter vom Jugendamt, der Lerntherapeut und bei Bedarf weitere Beteiligte. Im Hilfeplangespräch werden individuelle Ziele festgelegt und reflektiert, ob die gesetzten Ziele aus den letzten Monaten umgesetzt werden konnten.

Integrative Lerntherapie

Ich zitiere hier gerne aus dem aktuellen Beitrag auf Wikpedia:
„Die integrative Lerntherapie (iLT) ist eine interdisziplinäre Therapieform zur Behandlung von Lern-, Leistungs- und Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten. Sie bezieht sich vor allem auf Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung) oder Dyskalkulie (Rechenstörung).“ Eine Lerntherapie ist immer ganzheitlich und bezieht das Umfeld mit ein (Schule, Elternhaus, ggf. andere Therapeuten, Diagnostiker).

Suchst du einen integrativen Lerntherapeuten, dann habe ich hier die besten Tipps für dich zusammengestellt?

Intelligenz

Bestandteil jeder umfassenden Diagnostik (siehe Punkt Diagnostik) ist auch ein Intelligenz (IQ)-Test. Liegt der IQ-Wert zwischen 85 und 115, spricht man von einem durchschnittlichen Wert. Ist der Wert unter 70, spricht man von einer Intelligenzminderung. Über 115 ist ein überdurchschnittlicher Wert und hochbegabt gilt ein Kind ab einem IQ-Wert von 130.

Jugendamt

Beim Jugendamt kann ein Antrag auf Kostenübernahme einer Lerntherapie gestellt werden (das läuft dann über die sogenannte Eingliederungshilfe, schau doch gerne bei meinem Punkt Eingliederungshilfe nach).

Komorbidität

Die Komorbidität beschreibt, dass neben einer Grunderkrankung noch eine oder mehrere Begleiterkrankungen vorliegen. Das bedeutet, wenn ein Schüler z.B. eine Dyskalkulie hat, dass es neben seinen Schwierigkeiten beim Rechnen noch weitere Herausforderungen geben kann. Das können z.B. Aufmerksamkeitsschwierigkeiten sein (ADHS) oder Lese-Rechtschreibschwierigkeiten.

Leitlinie

Damit ist die wissenschaftliche S3 Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer Lese- und/ oder Rechtschreibstörung gemeint.

Ziel der Leitlinie ist es, über die Wirksamkeit aktueller Fördermethoden und Förderprogramme aufzuklären und Handlungsanweisungen für eine Diagnostik der Lese- und/oder Rechtschreibstörung aufzuzeigen.

Hier geht es direkt zur Leitlinie Lese-Rechtschreib-Störung. Die Leitlinie wird momentan überarbeitet.

Was ist LRS, Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche?

LRS

LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche und ist die pädagogische Definition und beschreibt Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Das S in der Abkürzung LRS kann für Schwierigkeiten oder für Störung stehen. Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass es zweitrangig ist, wie wir die Schwierigkeiten nennen, viel wichtiger ist es, dass Schüler mit Schwierigkeiten zeitnah unterstützt werden.

Legasthenie

  • Umschriebene und schwerwiegende Beeinträchtigung beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens
  • ca. 5-8 % der Schüler sind betroffen, Jungen doppelt so häufig wie Mädchen
  • veranlagt (vererbt)

Der Begriff bzw. die Definition Legasthenie befindet sich nicht in der ICD-10 der WHO (Weltgesundheitsorganisation), aber mit einer Legasthenie ist aber meist die Lese-Rechtschreibstörung gemeint

Nachteilsausgleich

Das sind Maßnahmen, die den „Nachteil“, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben ausgleichen sollen, wie z. B. ein Zeitzuschlag, bestimmte Hilfsmittel und andere Maßnahmen. Möchtest du mehr Infos? Dann empfehle ich dir meinen Blogartikel zum individuellen Nachteilausgleich.

Null-Fehler-Grenze

Jedes Kind hat beim Lernen eine Null-Fehler-Grenze. Wenn wir genau an diesem Punkt anfangen, mit dem Kind zu üben, schaffen wir Erfolgserlebnisse. Die Null-Fehler-Grenze ist der Punkt, wo das Kind weder unter- noch überfordert ist, sondern Schritt für Schritt Erfolge dort, wo sich das Kind nicht überfordert fühlt, wo es kompetent ist und Erfolgserlebnisse hat.

Notenschutz

Beim Notenschutz wird die Rechtschreibung und/oder die Leseleistung in einer Prüfung/Arbeit gar nicht bewertet oder auch zurückhaltend gewichtig. Welche Regelung genau umgesetzt wird, ist jedoch in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Eine tolle Übersicht aller Bundesländer hat Legakids.  

Rechenschwäche

Rechenschwäche ist ein pädagogischer Begriff, manchmal wird auch von Rechenschwierigkeiten gesprochen.

Mit der Verwendung des pädagogischen Begriffs, wird verdeutlicht, dass rechenschwache Kinder nicht „unheilbar krank“ sind, sondern mit einer Förderung gute Fortschritte erreichen können.

Rechenstörung

Die Begriffe Rechenstörung und Dyskalkulie werden oft bedeutungsgleich verwendet.

Nach dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Rechenstörung wie folgt definiert:

F81.2 Rechenstörung

Diese Störung besteht in einer umschriebenen Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden.

Anzeichen einer Dyskalkulie/Rechenschwäche findest du in folgendem Blogbeitrag.

Ressourcen

Eine integrative Lerntherapie baut auf vorhandenen Ressourcen auf (und nicht auf Defiziten). Jeder Schüler hat individuelle (besondere Stärken, Hobbys), aber auch soziale Ressourcen (z.B. im Umfeld). Im Gespräch mit Eltern, Lehrern und anderen Beteiligten wird herausgefunden, welche Ressourcen das sind, um die Lerntherapie individuell zu gestalten.

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen ist das Vertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten. Eine Stärkung des Selbstvertrauens ist immer auch Bestandteil einer integrativen Lerntherapie, da eine Lerntherapie immer ganzheitlich ist.

 

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus den Fachbegriffen rund um das Thema Lerntherapie. Zeitnah werde dieses Glossar Lerntherapie um ein Glossar zum Thema Diagnostik ergänzen.

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Ja, ich freue mich drauf

 

Quellen 

  • Stangl, W. (2022, 30. August). Selbstwirksamkeit . Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
    https://lexikon.stangl.eu/1535/selbstwirksamkeit-selbstwirksamkeitserwartung.
  • Wikipedia: Integrative Lerntherapie
  • Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie
  • Defintion Rechenstörung nach ICD-10:  ICD-10-GM-2022: F81.2 Rechenstörung – icd-code.de

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