Was möchte ich bewirken? Diese Frage hat uns Judith Peters in ihrer Blog-Challenge Ende Mai gestellt. Da musste ich erstmal ein wenig überlegen und meine Gedanken sortieren. Denn integrative Lerntherapie ist so viel mehr als individuelle Förderung und ich bin soviel mehr als nur Lerntherapeutin.

Momentan bin ich in einer Phase des Umbruchs – ich bin für 3 Monate von meiner schulischen Tätigkeit freigestellt und kümmere mich um die Pflege meiner 90-jährigen Schwiegereltern.

Hier gebe ich euch einen Einblick in die Vielfalt meiner Projekte und Zielgruppen, wo ich aktiv etwas bewirken möchte.  Mein Motto: Lass die Schulzeit deines Kindes die schönste Zeit seines Lebens werden. Dabei unterstütze ich nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch deren Eltern, gebe Fortbildungen für Lehrkräfte und bin Gründerin des Lerntherapeuten-Netzwerkes.

Raus aus der Hilflosigkeit – Eltern Rückendeckung geben

Es vergeht kein Tag, wo mich Eltern kontaktieren und oft brennt regelrecht die Hütte. Der Lernfrust ist groß, es fliegen Bücher durch die Gegend, die ganze Familie leidet unter der schulischen Situation des Kindes.  Ich möchte mit integrativer Lerntherapie bewirken, dass Eltern sich nicht mehr hilflos fühlen, dass sie durch die Tipps in unserem Elternratgeber Dyskalkulie die nächsten Schritte gehen können,  sich in meiner Facebook-Gruppe austauschen oder im Eltern-Coaching zur Ruhe kommen.

Wenn Eltern die richtigen Anlaufstellen und die richtigen Fördermöglichkeiten bei einer LRS oder Rechenschwäche kennen, ist das oft eine riesengroße Erleichterung. Eltern sollen wissen, dass sie mit den Lernschwierigkeiten ihrer Kinder und ihren Fragen nicht alleine sind. Ich möchte bewirken, dass sie sich vernetzten und gegenseitig stärken.

Feedback einer Mutter in meiner Facebook-Gruppe

Lerntherapeuten eine Stimme geben und sie aus dem Einzelkämpfer-Dasein herausholen

Mir ist es ein Anliegen, Lerntherapeuten eine Stimme zu geben und aufzuzeigen, wie wertvoll, wunderbar und vielfältig unsere Tätigkeit ist. Ich möchte bewirken, dass sich Lerntherapeuten nicht als Konkurrenz sehen, sondern im Austausch miteinander noch mehr wachsen, sich stärken und gemeinsam noch viel Größeres bewegen. Ich möchte die Mitglieder unseres Netzwerkes sichtbarer machen, ihnen Mut machen, sie motivieren neue Wege zu gehen und ihren Ideen Taten folgen zu lassen. Gemeinsam haben wir das Ziel, unser Berufsbild bekannter zu machen.

Wir stärken Schüler nicht nur beim Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern ermutigen Schüler ihren ganz persönlichen Weg zu gehen, indem wir sie emotional stärken. Sabine Walker, Netzwerkmitglied und Lerntherapeutin aus Kirchentellinsfurt drückt es sehr treffend aus:

„Wir holen Familien aus der Hilfslosigkeit heraus, indem wir ihnen Lösungen und Handlungsoptionen aufzeigen“ Sabine Walker, Lerntherapeutin

Vielen Familien geben wir Hoffnung und Mut und gemeinsam im Team, in unserem Netzwerk geht vieles leichter.

Was ich als pflegende Angehörige bewirken möchte

Meine Schwiegereltern sind 89 und 90 Jahre alt, sie wohnen bei uns ganz in der Nähe. Für mich war immer klar, dass wir uns um sie kümmern werden, wenn sie älter werden. Ganz bewusst hatten wir auch vor einigen Jahren ein Haus in ihrer Nähe gesucht und gefunden.

Es sind die alltäglichen Dinge, die manchmal im Alter nicht so gut klappen: einkaufen, Arztbesuche, Papierkram. Alleine die Pflegestufe zu beantragen, war für uns als Familie ein Kraftakt. Zuerst wurde sie abgelehnt, denn wer gibt schon gerne zu, dass im Alltag bestimmte Dinge nicht mehr so leicht von der Hand gehen. Anstatt momentan in der Schule zu unterrichten, kümmere ich mich jetzt um den Treppenlift, den passenden Rollator oder das Pflegebett und bin gerne Chauffeur, wenn es um Arztbesuche geht. Bereits im Herbst 2022 habe ich mir eine Auszeit von der Schule genommen und hatte sehr durchmischte Rückmeldungen von Freunden und Verwandten erhalten. Von meiner Schule kam leider überhaupt kein Verständnis. Pflegende Angehörige haben in unserer Gesellschaft keine Lobby, das habe ich gespürt und das muss sich ändern. Wir müssen gesehen werden.

Innerschulisch war mein Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld im Herbst (ich bekam für 20 Tage 90% meines Gehalts) eine never ending story. Keiner fühlte sich verantwortlich. Ich war als angestellte Lehrkraft ein Exot und wurde vom Schulamt, übers Regierungspräsidium bis zum Landesamt für Besoldung hin und her gereicht. Dabei wollte ich mich doch einfach um meine Schwiegereltern kümmern.

Ich möchte bewirken, dass pflegende Angehörige in unserer Gesellschaft gesehen werden und dass sie finanziell nicht in eine Schieflage geraten. Nach meinen 20 Tagen Pflegeunterstützungsgeld (20 Tagen waren es aufgrund von Corona, regulär sonst nur 10), gibt es nur noch die Möglichkeit unbezahlten Urlaub zu nehmen (den ich gerade nehme) und das kann sich nicht jeder leisten.

Individuelle Förderung und integrative Lerntherapie auch an Schulen ermöglichen

Ich bin seit über 5 Jahren an verschiedenen Schulen tätig und überall wo ich hinkomme, betrete ich als Lerntherapeutin Neuland. Denn ich bin eigentlich „Nicht-Erfüller“ (Personen ohne Lehramtsausbildung, die manchmal auch liebevoll als Hilfskräfte bezeichnet werden) und gleichzeitig bin ich in der Lehrerfortbildung aktiv. Immer mehr Lerntherapeuten arbeiten bereits an Schulen, dafür setze ich mich ein. Ich möchte bewirken, dass Lerntherapeuten Finanzierungsmöglichkeiten von Lerntherapie in Schule kennen und Tipps bekommen, wie wir unser Berufsbild noch bekannter machen können.

Ich möchte die integrative Lerntherapie innerschulisch verankern, damit Schüler möglichst schon präventiv eine individuelle Unterstützung bekommen. Denn Förderung bei einer LRS oder Rechenschwäche darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen – momentan wird eine integrative Lerntherapie wird in den meisten Fällen privat finanziert.

Vorfreude auf die Schüler am Morgen

Ich möchte bewirken, dass kein Kind mit einer LRS oder Rechenschwäche in unserem Schulsystem zurückbleibt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber auch in kleinen Schritten kommen wir gemeinsam zum Ziel, im Austausch mit anderen wunderbaren Lerntherapeuten und Wegbegleitern, die sich für ein besseres Schulsystem einsetzen.

Lerntherapeutin zu sein, ist so vielseitig, das motiviert mich, macht meinen Beruf zu etwas Wertvollem. Ich möchte bewirken, dass andere, die ebenfalls diesen Weg gehen möchten, sich nicht von Hindernissen abhalten lassen.

Gemeinsam können wir noch mehr beWIRken

Komm doch gerne meine Facebook-Gruppe, tausche dich mit anderen aus oder abonniere meinen Newsletter. Du bekommst jede Woche Tipps rund um das Thema LRS, Rechenschwäche, Lernmotivation und Lerntherapie in Schule in dein Postfach.

Denn gemeinsam können wir mehr BeWIRken.

Ja, ich freue mich drauf

 

*Dieser Blogartikel entstand im Rahmen der #blogyourpurpose-Challenge von Judith Peters vom 23.05.2023 – 26.05.2023.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert