Englisch alles easy?

Viele Schüler mit einer LRS sind in der Grundschule im Englischunterricht noch super mitgekommen. In Klasse 5 auf einmal der Einbruch. Aber warum eigentlich? Was ist passiert? Warum gibt es immer wieder Diskussionen ums Vokabeln lernen?

Ich erlebe es gerade selbst bei meiner Tochter (keine LRS), trotzdem fällt auch ihr der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule schwer, insbesondere in Englisch. Und das Vokabeln Lernen ist einer der Knackpunkte, der immer wieder zu Diskussionen führt. Das spielerische Lernen, wie es in der Grundschule üblich war, fällt auf einmal weg und der lehrwerkorientierte Unterricht im Fach Englisch beginnt. Rasend schnell müssen Vokabeln gelernt werden, neue Grammatikstrukturen verstanden werden und die englischen Wörter jetzt auch richtig geschrieben werden, die man früher vorrangig mündlich können musste. Oft kommt neben der Überforderung dann der Frust.
Kindern mit einer LRS fällt Englisch doppelt schwer, da sie ja schon in Deutsch Ihre speziellen Herausforderungen haben. Was nun?

Englisch – eine lautgetraue Sprache?

So ist doch Englisch scheinbar allgegenwärtig, im Radio, im Internet, im Fernsehen. Es begleitet einen durch den Tag. Ob man einen Burger ist oder sich einen Coffee to go gönnt. Vielleicht chillt man auch gerade ein wenig und streamt den neusten Film. Englisch ist überall, aber leider doch nicht so einfach, wie wir immer denken.

Folgendes Beispiel soll verdeutlichen, dass insbesondere das Schreiben Schülern Schwierigkeiten bereitet, denn die englische Orthographie ist seit 500 Jahren unverändert. Es gab nicht – wie im Deutschen – eine Rechtschreibreform (oder sogar mehrere:-).

Folgender Laut Lautfolge [⁠ʃ⁠] „sch“ kann viele verschiedene Schreibweisen haben, je nachdem, in welchem Wort der Laut vorkommt

ocean
fish
action
sure

Ich spreche immer „sch“ und schreibe es jedoch bei jedem Wort anders. Für LRS Schüler der blanke Horror.

Nicht viel besser ist es bei folgendem Beispiel: Der Laut [i:] „i“ wird ganz unterschiedlich verschriftet:


Möchten Sie wissen, wie eine gezielte Englisch-Förderung bei LRS-Kindern aufgebaut ist, weitere Tipps zum Vokabeln lernen? Konkrete Hilfestellungen für daheim? Möchten Sie wissen, welche Förderprogamme geeignet sind Dann kommen Sie gerne in meine neu gegründete Facebook Gruppe Englischlernen mit LRS. 

 


Zurück zu den Vokabeln. Was können Eltern tun, wie kann ich als Lehrer das Kind unterstützen?

Vokabeln lernen mit System

Meine Erfahrung zeigt, dass in der Schule klassisch mit dem Vokabelheft gelernt wird. Die Schüler sollen die Vokabeln von Seite xy abschreiben mit dem englischen Wort links und der deutschen Übersetzung rechts. Wort für Wort, ggf. Satz für Satz. Der Lehrer kontrolliert regelmäßig, ob alles erledigt wurde, ggf. gibt es sogar fürs Führen des Vokabelheftes Noten. Für einige Schüler mag diese Vorgehensweise funktionieren, für ganz viele ist das reine Abschreiben der Wörter wenig hilfreich. Ich bin ein großer Fan von Flash Cards oder altmodisch ausgedrückt Karteikarten. Das Zauberwort ist eine multisensorische Vorgehensweise. Sie verstehen nur Bahnhof? Ganz einfach mutlisensorisch bedeutet mit allen Sinnen. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto intensiver kann gelernt und das Wort im Gedächtnis verankert werden.

Eine gute Vorbereitung ist – alles!

Für LRS Kinder ist es wichtig, nicht nur die Vokabel an sich zu üben, sondern auch die Aussprache. Die richtige Aussprache des Wortes ist oft eine große Herausforderung, genauso wie das Schreiben des englischen Wortes.
Es wird leider oft das laute Lesen vernachlässigt, die Kinder üben nur visuell (Vokabel wird angeschaut und versucht einzuprägen).

Bevor es losgeht, kaufen Sie einen tollen Karteikartenkasten, der den Geschmack ihres Kindes trifft (meine Tochter hat sich einen mit einem Hund ausgesucht – sie möchte ihn gar nicht mehr weglegen:-). Suchen Sie auch bunte Karteikarten aus, die das Kind ansprechen. Animieren Sie Ihr Kind die Wörter selbst zu schreiben (in Ausnahmefällen, z.B. bei schwer zu entziffernder Handschrift auch von jemand anderen oder es kann am PC getippt werden). Jedoch ist der persönliche Bezug zur Karteikarte größer, wenn diese selbst erarbeitet wird.

Die Karteikarte wird mit dem englischen Wort auf der einen Seite und dem deutschen Wort auf der anderen Seite notiert. Hilfreich ist es auch einen Beispielsatz zu notieren, um das Wort im Zusammenhang zu verstehen.

brother – my brother is funny

Markieren Sie -wie hier zu sehen –schwierige Stellen mit einem Textmarker. Bitten Sie Ihr Kind bei Bedarf kleine Zeichnungen einzufügen, bildlich lernt es sich oft viel leichter.

 

Lernen mit allen Sinnen

Die Vorarbeit kostet Zeit, aber diese Zeit zu investieren lohnt sich, denn eine gute Vorbereitung ist schon der erste Schritt zum Lernen und einer langfristigen Speicherung des Wortes.

  • Anschauen
  • Laut vorlesen (bei schwierigen Wörtern erst lautgetreu – be-au-ti-ful), dann englische Aussprache und Wort einprägen
  • Karte verdecken bzw. umdrehen
  • Aus dem Gedächtnis aufschreiben, dabei laut aussprechen
  • Überprüfen

Die Einhaltung dieser Schritte sind wichtig und nötig, um sich das Wort gut einzuprägen. Die weitere Vorgehensweise ist klassische Karteikartenarbeit. Die Karten wandern von Fach zu Fach und  müssen in den hinteren Fächern  immer seltener geübt werden. Wurde ein Wort falsch geschrieben, bleibt es in Fach 1 (täglich üben). War da Wort richtig, kommt die Karteikarte ins nächste Fach (alle 3 Tage üben).

Thematische Sortierung der Karteikarten

Karteikartenarbeit ist aufwendig, aber es lohnt sich. Ich kann Karteikarten auch wunderbar thematisch sortieren. Kommen in Unit 2 des Schulbuches beispielweise Wörter zum Thema Familienmitglieder dran (uncle, aunt, cousin) und in Unit 5 dann noch weitere Wörter zur selben Kategorie, kann ich diese thematisch sortieren und dann zusammen üben. Ich verknüpfe ein Wort dann gezielt mit einem Ober-Thema und kann es mir leichter behalten.

Haben Sie noch Fragen oder brauchen Sie noch Unterstützung? Melden Sie sich gerne bei mir oder in meiner Facebook Gruppe.

Quelle: Wordly Rechtschreibprogramm, David Gerlach https://www.wordly.de/rechtschreibtraining/